Vortrag – Die aktuelle Organspendesituation und der Ablauf einer Organtransplantation

Stammtisch am 25.02.2018 im Hotel zur Post, München-Pasing

Vortrag von Frau Dr. Angelika Eder

Die Zahlen, die Angelika Eder auf mehreren Folien präsentierte, sprechen eigentlich für sich. In den letzten Jahren ging es mit der Organspende in Deutschland nur abwärts. Eine medizinische Katastrophe, für die auf den Wartelisten stehenden schwerkranken Patienten. Wenn es streng nach den Kriterien gehen würde, müsste Deutschland aus dem Verbund Eurotransplant hinausgeworfen werden. Die Kennzahl ist hier: Organspender pro 1 Million Einwohner eines Landes. Eurotransplant fordert mindestens 10 Spender um Mitglied werden zu können, 2017 lag Deutschland bei 9,3.

Nur weil wir die größten Zahler sind, dürfen wir drin bleiben.

Hatten wir 2016 bundesweit noch 857 Spender, waren es 2017 nur noch 797.

Die Gründe für diese desolate Situation sind weitgehend bekannt. Es liege nicht an der mangelnden Organspendebereitschaft der Bevölkerung, so Angelika Eder, sondern in erster Linie an den Organisationsstrukturen der Kliniken. Die Pauschalen, die an die Entnahmekrankenhäuser bezahlt werden, seien einfach zu gering. Das Personal, das ja eh schon überlastet sei, ist nicht gerade begeistert, wenn zusätzliche Arbeit, die nun mal eine Organspende mit sich bringt, geleistet werden muss. Wenn in einem Krankenhaus nicht die gesamte Kaskade -von der Klinikleitung bis hin zum Pflegepersonal- von der Organspende und Transplantation überzeugt sind, kommt es auch nicht zur Meldung eines hirntoten Patienten. Natürlich spielt auch die gesetzliche Regelung eine Rolle. Bei uns gilt ja die die sogenannte Entscheidungslösung. In Ländern mit der Widerspruchslösung kommt es zu wesentlich mehr Organspenden und die Wartezeiten für ein neues Organ sind erheblich kürzer. Nebenbei bemerkte Angeilika Eder, dass wir in Bayern letztes Jahr 22 Organspender mehr verzeichnen konnten, relativierte das eigentlich positive Ergebnis aber sofort wieder indem sie auf das niedrige Niveau von 2016 hinwies.

Im zweiten Teil ihres Vortrags erklärte Frau Eder den Ablauf einer Organtransplantation und die Rolle, die die Deutsche Stiftung Organtransplantation dabei spielt.

Die Organisation der Organspende läuft über drei Stationen: das Krankenhaus meldet einen Organspender an die DSO, welche die Koordinierung der Organspende vornimmt. Die Vermittlung selbst übernimmt Eurotransplant in Leiden/Niederlande und die Verpflanzung des Organs geschieht in den Transplantationszentren.

Nach der Meldung an die DSO wird der irreversible Hirnfunktionsausfall (Hirntod) durch zwei voneinander und vom Transplantationsteam unabhängige Fachärzte, die Erfahrung in der Behandlung von schwer hirngeschädigten Patienten haben, festgestellt. Die entsprechenden Untersuchungen haben nach einem Protokoll der Bundesärztekammer zu erfolgen.

Nach Einholung der Einwilligung zur Organspende erfolgt dann die Meldung an Eurotransplant, wo entschieden wird, wer das einzelne Organ erhalten soll. Bei der Verteilung der Organe spielen Parameter wie Wartezeit, Übereinstimmung der Gewebemerkmale, Region, Alter, Antikörperstatus usw. eine Rolle. Die Explantation der Organe übernehmen dann spezielle Teams aus den Empfängerzentren, wo auch schon der ausgesuchte Patient zur OP vorbereitet wird.

Die DSO informiert die Angehörigen eines Spenders über eine erfolgreiche Transplantation, falls die das möchten, wobei dies natürlich ohne Namensnennung der Empfänger geschieht. Außerdem werden regelmäßig Treffen organisiert, bei denen sich die Angehörigen austauschen können.

Wir freuen uns immer sehr, wenn Frau Dr. Eder zu unserem Stammtisch kommt und einen interessanten Vortrag hält. Großes Dankeschön!

 

Versagen des deutschen Organspendesystems

Dramatische Entwicklung bei den Organspenden 2017
-Tiefpunkt erreicht!

Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) meldet wie jedes Jahr im Januar die Spenderzahlen für das vorhergehende Jahr. Bundesweit gab es 797 Organspender, 60 weniger als 2016, so die DSO in ihrem Bericht. Während im Jahr 2016 insgesamt noch 2867 Organe transplantiert werden konnten, waren es 2017 nur noch 2594. Ein Einbruch von fast 10 Prozent!
Das ist der niedrigste Stand bei den Organspenden seit 20 Jahren. Ein Skandal!

Gleich nach der Veröffentlichung des Berichts war der Aufschrei in der Presse hoch
– genau für zwei Tage – dann verschwand dieses Thema wieder im Nirwana. Sogar Christina Berndt von der Süddeutschen Zeitung, die in den letzten Jahren ja kein gutes Haar an der Transplantationsmedizin gelassen hat, schreibt in ihrem Kommentar vom 12.01.18: „Deutschland ist international nicht mehr ernst zu nehmen. Jedenfalls wenn es um Organspenden geht. Der gerade erschienene Jahresbericht der Stiftung Eurotransplant attestiert der Bundesrepublik ein krankes, kurz vor dem Siechtum stehendes Transplantationssystem“

Eigentlich kennt man die Gründe für diese desolate Situation. Und die haben wenig zu tun mit der Organspendebereitschaft der Bevölkerung, oder mit der unzureichenden Versorgung mit Organspenderausweisen. Umfragen zeigen immer wieder, dass die Mehrheit der Bevölkerung Organspende und Transplantation für eine gute Sache halten und durchaus bereit wären, nach dem Tode Organe zu spenden bzw. im Falle einer schweren Erkrankung auch selber eines anzunehmen.

Die Kliniken sind nach dem Transplantationsgesetz verpflichtet, potentielle Organspender zu melden. Es passiert aber nichts, wenn sie es nicht tun. Wozu braucht man ein Gesetz, wenn klare Gesetzesverstöße nicht sanktioniert werden? Oft ist es für ein Entnahmekrankenhaus lukrativer, nach Feststellung des Hirntods den Totenschein auszustellen und die Bestattungsfirma zu rufen. Die Pauschalen, die an die Kliniken für einen Organspender bezahlt werden, sind einfach zu gering. Häufig werden auch Transplantationsbeauftragte einfach bestimmt, ohne dass man überhaupt die Einstellung der jeweiligen Person zur Organspende und Transplantation überprüft. So gehen viele Organe „verloren“, die schwerkranken Patienten ein Weiterleben sichern könnten.

Prof. Bruno Meiser, der Leiter des Transplantationszentrums München-Großhadern und Präsident von Eurotransplant erklärt die Situation zur medizinischen Katastrophe und schreibt in der SZ v. 17.01.18 :“Rettet die Organspende“. Er fordert dringend einen nationalen Aktionsplan unter Federführung des Bundesgesundheitsministeriums. Neben einer adäquaten Vergütung für die Krankenhäuser; der Sanktionierung der Kliniken, die nicht an der Organspende teilnehmen; der zusätzlichen Bezahlung für Transplantationsbeauftragte sollte auch endlich die Widerspruchslösung eingeführt werden.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert angesichts der miserablen Spenderzahlen die Einführung der Widerspruchslösung. „Wir können verlangen, dass sich jeder aktiv erklärt, der seine Organe im Todesfall nicht für das Leben anderer Menschen hergeben möchte“, sagte der SPD-Politiker. Außerdem sollte die Spende nach einem Herzstillstand, wie sie in vielen Ländern Europas praktiziert wird, ebenfalls bei uns möglich sein.

In Nordrhein-Westfalen, wo der Einbruch besonders stark war, hat der Landtag fraktionsübergreifend für Organspende geworben. „Es ist fünf vor zwölf.”, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde.

Die DSO forderte bereits im November auf dem Jahreskongress einen Initiativplan mit klar definierten Handlungsschritten. Alle für die Transplantationsmedizin wichtigen medizinischen Fachgesellschaften, die Politik und die Patientenverbände sollten mit eingeschlossen werden, um die Organspende wieder gemeinsam auf Kurs zu bringen.

Jahrelang wurde von der Politik und teilweise auch von den Ärzten zugesehen, wie sich die Spenderzahlen immer weiter abwärts entwickelten. Was muss eigentlich noch passieren, dass endlich einmal reagiert wird? Es ist doch ein Schlag ins Gesicht eines jeden Patienten, der auf der Warteliste steht und durch ein etabliertes Verfahren gerettet werden könnte.

Tut endlich was!

Es kann nicht angehen, dass viel zu viele Schwerkranke auf der Liste versterben nur durch Versagen der Politik und Organisationsprobleme in den Kliniken. Man kann solche Sätze nicht mehr hören wie „Das ist bei uns nicht durchsetzbar.“ oder „Da bekommt man keine Mehrheit.“. Wie wollen wir denn den Patienten erklären, dass sie früher sterben müssen, weil sie in Deutschland und nicht in Spanien, Österreich oder Kroatien leben?
Fakt ist: so kann es nicht weitergehen!

Müssen bei uns wirklich auch in Zukunft jeden Tag Menschen auf Wartelisten sterben?
Müssen wir wirklich Schlusslicht in Europa bleiben?
Geht es statt um schwerkranke Menschen immer nur ums Geld?

Wir fordern, dass dieses dringende Problem schnellstens gelöst wird!

Blutverdünnung (Antikoagulation) bei chronischer Niereninsuffizienz und Dialyse

Nierenkranke Patienten leiden häufig an Herzrhythmusstörungen wie beispielsweise dem Vorhofflimmern. Um das Risiko eines Schlaganfalls zu senken, ist die Einnahme eines Blutverdünnungsmittels zwingend erforderlich.
Wer könnte uns über diese Thematik wohl besser Auskunft geben als Prof. Dr. med. Matthias Blumenstein, Chefarzt der Nephrologie und ärztlicher Direktor der Klinik Augustinum München?
Prof. Blumenstein hatte auf Anfrage auch sofort zugesagt, uns im Rahmen unseres Stammtisches am 19.03.2017 einen Vortrag  über diese wichtige Problematik zu halten.

20170319_153612-1 (1)Grundsätzlich ist eine Antikoagulation notwendig, und zwar unabhängig davon, ob der Patient nierenkrank ist oder nicht:

– nach einer Herzklappenoperation, falls eine mechanische Klappe eingesetzt wurde
– nach Venenthrombosen mit oder ohne Lungenembolie
– bei hereditären Thrombophilien (vererbte Neigung zu Thrombosen)
– als Embolieprävention bei Vorhofflimmern

20170319_144934Bei jedem vierten Schlaganfall ist ursächlich Vorhofflimmern verantwortlich, so der Referent. Als Embolieprophylaxe wurden bis zur Einführung der sogenannten neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) in erster Linie Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon (Marcumar) verordnet.

Typische Vertreter der neuen Gerinnungshemmer sind  Apixaban, Dabigatran, Rivaroxaban. In zahlreichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass diese neuen Blutverdünnungsmittel den Vitamin-K-Antagonisten überlegen sind. Vor allem ist die Blutungsgefahr und somit auch das Risiko für tödliche Blutungen geringer. Außerdem sind die häufigen Kontrollen der Gerinnung (Quick, INR) nicht mehr notwendig. Vitamin-K-haltige Lebensmittel wie Spinat, Broccoli oder verschiedene Kohlsorten müssten auch nicht mehr vom Speiseplan verschwinden.

20170319_144614Das Problem ist nur, und hier stecken die Nephrologen in einem Dilemma, dass diese neuen Antikoagulanzien größtenteils über die Nieren ausgeschieden werden. Einer der wichtigsten Parameter zur Beurteilung der Nierenfunktion, ist die glomeruläre Filtrationsrate (GFR). Die GFR  ist das pro Zeiteinheit von den Glomeruli filtrierte Volumen. Es wird in der Regel in der Einheit ml/min angegeben. Bei einer GFR unter 35 ml/min. empfiehlt Professor Blumenstein Apixaban (Eliquis), da es zu über 60 % von der Leber verstoffwechselt wird. Unter 15 ml/min GFR bleibt der Goldstandard ein Vitam-K-Antagonist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine notwendige Blutverdünnung bei Nierenkranken nicht einfach zu handhaben ist und in die Hände von Spezialisten wie Nephrologen oder Internisten gehört. Keinesfalls sollte man als Patient selber etwas an der Medikation ändern.

20170319_160652Großes Dankeschön an Herrn Professor Blumenstein für den interessanten Vortrag und für die Geduld, die zahlreichen Fragen zu beantworten.

Organspendezahlen 2016 auf Niedrigstniveau

Wie jedes Jahr im Januar gab die DSO die vorläufigen Organspendezahlen für das vorhergehende Jahr bekannt: 2016 haben in Deutschland nur 857 Menschen Organe nach Ihrem Tod gespendet. Das ist der absolute Negativrekord! Eigentlich hatte man ja gedacht, nach dem sogenannten „Transplantationsskandal“ wäre wieder Vertrauen aufgebaut worden und das Blatt würde sich zum Besseren wenden. Falsch gedacht! Es ist ja nicht so, dass nichts passiert wäre seit Aufdeckung der Listenmanipulationen. So wurde das Transplantationsgesetz mehrfach modifiziert, das sogenannte Sechs-Augen-Prinzip wurde eingeführt, alle Transplantationszentren werden mindestens einmal in drei Jahren unangemeldet überprüft, auch sind Wartelistenmanipulationen mittlerweile strafbar und können mit Freiheitsstrafe belegt werden usw..

Scheinbar haben diese vertrauensbildenden Maßnahmen nichts gebracht. Über 10.000 Patienten stehen in Deutschland weiterhin auf den Wartelisten und warten dringend auf ein Spenderorgan. Drei davon sterben täglich!

Erste Ergebnisse der aktuellen BZgA-Repräsentativbefragung (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) zeigen eigentlich ein durchaus positives Bild. Gefragt wurde, wie man zur Organspende steht und hier ist das Ergebnis: 81% der Befragten hatten eine positive Einstellung zu diesem Thema und 32 % gaben an, einen Organspendeausweis zu besitzen. Anscheinend wird hier nicht immer wahrheitsgemäß geantwortet. Jeder der aktiv mit Aufklärungsarbeit über Organspende zu tun hat, schaut verwundert auf diese Zahlen. Transplantationsmediziner und die DSO gehen im Gegenteil davon aus, dass nur etwa 10 % der tatsächlichen Organspender einen Organspendeausweis besaßen.

Insgesamt scheint ja eine gewisse Bereitschaft, Organe nach dem Tode zu spenden vorhanden zu sein. Warum sind dann die Zahlen derart schlecht? Natürlich ist ein Grund die damalige Wartelistenmanipulation in einigen Transplantationszentren.

Hatten wir 2010 noch 1296 Spender, so kam es nicht zuletzt wegen dieser Tricksereien zu einem massiven Einbruch. Das ist aber sicher nicht der einzige Grund: Länder mit der sogenannten Widerspruchslösung stehen bei der Organspende wesentlich besser da als Deutschland. Spanien hat beispielsweise ein sehr erfolgreiches Organspendeprogramm. Hier kommen auf eine Million Einwohner etwa 35 Organspender. In Deutschland sind es nur rund 10 Spender.

Von der politischen Seite kann man in Richtung Widerspruchslösung nichts erwarten. Seit Jahren oder Jahrzehnten hört man immer wieder, dass diese in Deutschland nicht durchsetzbar wäre. Wahlen lassen sich nämlich mit dieser nicht gerade populären Thematik nicht gewinnen. Dafür ist die Betroffenengruppe einfach zu klein.

Die wichtigsten Schaltstellen bei der Organspende sind sicher die Entnahmekrankenhäuser. Mit der bundesweiten Einsetzung von Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern ist man auf einem guten Weg. Deren Aufgabe soll aber nicht „mit der linken Hand“ erledigt werden, sondern mit Empathie für diesen ganz speziellen Bereich und muss eine Wertschätzung nicht zuletzt durch die Klinikleitung erfahren.

Oft werden solche oft unbeliebten Spezialaufgaben irgendjemandem „aufs Auge gedrückt“, nur um den gesetzlichen Vorschriften genüge zu tun. Das ist aber absolut kontraproduktiv. Das sensible Thema Organspende braucht dringend den engagierten „Kümmerer“ vor Ort, der sich einsetzt und auch die Mitarbeiter, die damit zu tun haben, entsprechend motiviert. Nur wenn alle in der Klinik, die mit Organspende zu tun haben, an einem Strang ziehen, kann eine Verbesserung der Situation erreicht werden.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine neue Informationskampagne für Organspende gestartet. Das Motto dieser Aktion ist: „Egal wie Sie ihn tragen, Hauptsache Sie haben ihn. Den Organspendeausweis. Informieren, entscheiden, ausfüllen“. Bisher haben solche Kampagnen wenig gebracht. Am Ende des Tages zählen halt nur die Fakten!

Aussichtsreicher scheint die Initiative „Bündnis Organspende Bayern“ zu werden, die am 14. März 2016 vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gegründet wurde. Dieser Aktionsgemeinschaft gehören mehr als 60 Partner an. Dazu zählen neben den gesundheitspolitischen Institutionen auch Kirchen, Sozialverbände und Vertreter der Medien.

Auch der Landesverband Niere Bayern e.V. ist mit dabei. Vorbild war wohl das Aktionsbündnis Organspende Baden Württemberg, das bereits seit 2006 besteht.

In der Präambel der Initiative heißt es: „Ziel des Bündnisses ist es, eine Sensibilisierung aller Bevölkerungsschichten für das Thema Organspende zu erreichen und beizutragen, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger Bayerns mit der Frage der eigenen Organspendebereitschaft auseinandersetzen und hierzu eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung treffen (Kultur der Organspende).“

Nach der Sitzung der Gesamtgruppe am 14.12.2016 wurden folgende Leitsätze verabschiedet:

Leitsatz 1

Organspende schenkt Leben.

Leitsatz 2

Organspende ist eine Herzensangelegenheit, ein Akt der Solidarität und Nächstenliebe.

Leitsatz 3

Jeder Mensch sollte persönlich entscheiden.

Leitsatz 4

Ein Organspendeausweis schafft Klarheit – auch für die Angehörigen.

Leitsatz 5

Gemeinsam für eine Kultur der Organspende

Als „Leuchtturmprojekt“ wird der Bayerische Fußball-Verband, der Mitglied im Bündnis ist, das letzte Spielwochenende im April und am 01.Mai 2017 unter das Motto Organspende stellen. Rund 4000 Vereine bayernweit -allerdings nur unterhalb der Profi-Ligen- werden sich daran beteiligen. Im Sender Sport 1 wird am 01. Mai 2017 live um 20:15 Uhr das Spiel Burghausen gegen Unterhaching übertragen. In einer Pressemitteilung der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml heißt es: „Ziel ist es, sowohl medial als auch vor Ort möglichst viele Menschen mit dem Thema Organspende in Berührung zu bringen. Fußball hat eine hohe gesellschaftliche Integrationskraft. Dies möchten wir nutzen, um das Thema Organspende bayernweit in die Fläche – hier konkret auf den Fußballplatz – zu bringen.

Bei der Sitzung am 14.12.2016 warb Peter Kreilkamp von TransDia e.V. mit einer Präsentation für die Bewerbung für die „World Transplant Games“, die in München stattfinden sollen.

Grundsätzlich wurde eine Bewerbung von der Gesamtgruppe befürwortet. Man erhofft sich durch eine professionelle mediale Aufbereitung solcher Spiele eine hohe Aufmerksamkeit für die Leistungen der transplantierten Sportler und nachfolgend eine höhere Organspendebereitschaft in der Bevölkerung. Noch ist unklar war, wer die Kosten der Bewerbung tragen soll.

Grundsätzlich sind solche Initiativen zu begrüßen. Man kann aber nicht erwarten, dass sich sozusagen von heute auf morgen das Spendeverhalten wesentlich ändert. Geben wir dem Bündnis für Organspende Zeit und eine Chance. Letztendlich muss es sich an den Spenderzahlen messen und bewerten lassen.

Übrigens hat in den Niederlanden das Parlament beschlossen, dass bei der Organspende künftig das Widerspruchsrecht gelten soll. Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, sprach sich für eine neue Debatte aus. Die Zeit sei reif für eine neue Diskussion über die Widerspruchslösung. Recht hat er!

RICHTIG. WICHTIG. LEBENSWICHTIG.

Nationaler Tag der Organspende am 04.06.2016 in München

„Richtig. Wichtig. Lebenswichtig.“ Unter diesem Motto stand dieses Jahr der  nationale  Tag  der Organspende, der am 04.06.2016 in München stattfand.  Seit 1983 informieren Selbsthilfeverbände wie beispielsweise der Bundesverband Niere e.V., jeweils am ersten Samstag im Juni, über das Thema Organspende und Organtransplantation.
Dieses Thema gehört zweifelsfrei in die Mitte der Gesellschaft und dankenswerterweise wurde von der Stadt München auch der Marienplatz, also die Stadtmitte, für dieses Ereignis zur Verfügung gestellt.
Die Veranstaltung startete mit einem ökumenischen Dankgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche. Hier war das Motto: „Die Liebe hört niemals auf“. 1. Korinther 13,8.
Pünktlich um 12:15 Uhr eröffnete der aus dem Fernsehen bekannte Moderator Dennis Wilms das Bühnenprogramm zum Tag der Organspende. Es folgten Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, die bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml, der zweite Bürgermeister der Stadt München Josef Schmid, der Präsident der bayerischen Ärztekammer Dr. Max Kaplan , die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Dr. Heidrun M. Thaiss, die Vorstände der Deutschen Stiftung Organtransplantation Dr. Axel Rahmel und Thomas Biet und als Vertreterin der Patientenverbände Jutta Riemer von Lebertransplantierte Deutschland e.V. . Sie alle sprachen ihre Grußworte.


Bei der anschließenden Aktion „Geschenkte Lebensjahre“ erhielt jeder anwesende Organempfänger ein Schild mit der Anzahl von Jahren seit der Transplantation. Die Transplantierten gingen dann mit den Schildern auf die Bühne und zeigten sie fürs Publikum hoch.  Die Jahre wurden zusammengezählt und es kamen insgesamt 882  „geschenkte Lebensjahre“ raus. Diese Aktion gibt es nun seit ein paar Jahren und im Vergleich zu den anderen Städten kam München immerhin auf den zweiten Platz. Nur Stuttgart hatte 2014 mit 976 „geschenkten Lebensjahren“ mehr zu bieten.
Insgesamt waren 23 Verbände bzw. Organisationen auf dem Marienplatz vertreten und die Besucher konnten sich in den Infozelten ausführlich über Organspende und Transplantation kundig machen. Stellvertretend für alle anderen Organisationen sollen hier die Deutsche Stiftung Organtransplantation, der Bundesverband Niere e.V., der Bundesverband der Organtransplantierten e.V., die Lebertransplantierten Deutschland e.V., Transdia, die Reha Fachklinik Bad Heilbronn und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung genannt werden.
Die Regionalgruppe München hatte übrigens einen gemeinschaftlichen Stand zusammen mit dem Bundesverband Niere e.V.
Sehr erfreulich war, dass relativ viele Mitglieder dem Aufruf von Franz Novy in der Mitgliederversammlung des Landesverbandes Niere-Bayern e.V. 2016 gefolgt sind und nach München kamen. Es ist immer wieder schön, wenn man bekannte „Gesichter“ am Infostand begrüßen darf.
Ein bunt gestecktes Rahmenprogramm mit nationalen und internationalen Künstlern und Gruppen sollte natürlich Aufmerksamkeit erregen und auch Passanten an die Pavillons „locken“. So traten Sydney Youngblood, Mary Roos, Claudia Jung,  Die Dandys, Bernie Paul und Die Hot Banditoz auf. Dazwischen gab es auf der Bühne insgesamt sechs Gesprächsrunden mit unterschiedlichen Teilnehmern, wie z. B. mit Melanie Huml, Prof. Dr. mult. Eckard Nagel, Professor an der Uni Bayreuth, Jutta Riemer,  Dr. Doris Gerbig, Chefärztin Nephrologie, Fachklinik Bad Heilbrunn und Peter Kreilkamp von Transdia.
Hermann Gröhe, Melanie Huml, Eckard Nagel, Axel Rahmel und Bernhard Seidenath besuchten dann auch jedes Infozelt und es gab Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch bzw. gemeinsamen Foto.
Um 18 Uhr beendete Dennis Wilms die Veranstaltung mit einem großen Dankeschön an alle Beteiligten.

Fazit und Kommentar:
Die Veranstaltung war zweifelsfrei sehr professionell organisiert.  Im Vorfeld haben auch verschiedene Medien über den Tag der Organspende berichtet und vor Ort war der Bayerische Rundfunk mit einem Fernsehteam. Bis heute fehlen mir aber weitere Presseberichte vom Tag oder Nachbetrachtungen.   Wie viele Besucher es tatsächlich waren, kann sehr schlecht beurteilt werden, da durch die stehenden Infozelte es nur eine breite Gasse für die Passanten gab und ja alle an den Pavillons vorbei mussten. Dabei sind natürlich viele erstmal durch die Musikdarbietungen angelockt worden. Wir von der Regionalgruppe München konnten viele interessante Gespräche führen und sogar vier neue Mitglieder gewinnen. Auf jeden Fall hat sich jeder Beteiligte große Mühe gegeben, dass es ein erfolgreiches Ereignis wird.  Dafür herzlichen Dank! Wenn es durch diese Mega-Veranstaltung auch nur zu einer Organspende kommt und ein Patient gerettet werden kann, hat sich das Ganze schon rentiert. Etwas enttäuscht war ich von den Statements der Kirchenvertreter. Soweit ich mich erinnern kann, war es Ende der Neunziger Jahre noch Konsens, dass Organspende eine Christenpflicht ist,  zwischenzeitlich ist man leider davon abgekommen. Nunmehr wird die individuelle Entscheidung über alles gestellt und wenn man auch nicht spenden möchte, so sei man moralisch trotzdem auf der sicheren Seite. In einem persönlichen Gespräch mit der Stadtdekanin Barbara Kittelberger wurde mir diese Auffassung nochmal bestätigt. Ich hatte nämlich vorgeschlagen, dass, wenn jemand nicht spenden möchte, derjenige dann benachteiligt werden müsste, wenn er selber mal ein Organ bräuchte. Das wäre ethisch nicht vertretbar, so Barbara Kittelberger. Mittlerweile fordern ja auch die katholischen Bischöfe eine enge Zustimmungslösung. Hier waren wir auch schon mal weiter. Auch der Vertreter der Islamischen Mitbürger stellt die Entscheidung jedem frei.  Da kann man sich schon fragen, wozu eine Religionsgemeinschaft Führungspersönlichkeiten braucht, die nicht führen sondern ihren Schäfchen nur sagen: „Macht, was Ihr wollt.“

Kriterien zur Aufnahme auf die Warteliste für Nierentransplantationen

Vielen nierenkranken Patienten, die bereits auf eine Dialysebehandlung angewiesen sind, ist eigentlich nicht klar, wie sie auf die Warteliste für eine Nierentransplantation kommen. Wie ist der Weg, bin ich überhaupt geeignet, wie lange dauert das Procedere und mit welcher Wartezeit habe ich zu rechnen sind wohl die häufigsten Fragen.

Wer könnte hier wohl besser Auskunft geben als Frau PD Dr. Antje Habicht, nephrologische Oberärztin im Transplantationszentrum der LMU? Wir sind sehr froh und dankbar, dass sie sofort zugesagt hat, einen Vortrag über diese Thematik im Rahmen unseres monatlichen Stammtisches zu halten.

IMG_3573Antje Habicht ging zuerst auf den eklatanten Rückgang der Transplantationen in den letzten Jahren ein, der in erster Linie auf den sogenannten Transplantationsskandal zurückzuführen ist. Potentielle Organspender hatten ihr Vertrauen in die Transplantationsmedizin verloren und die Spendebereitschaft ging erheblich zurück. So gab es in Deutschland im Jahr 2014 nur 10,7 Organspender pro eine Million Einwohner, wobei Bayern mit 9,5 Organspender noch schlechter abschnitt. Zum Vergleich gab es in Spanien 35,1 postmortale Organspender pro eine Million Einwohner, in Kroatien 35 und in Österreich 24,6.

IMG_3579Wenn ein Patient sich transplantieren lassen möchte, bespricht er das am besten mit seinem Dialysearzt oder Nephrologen. Er kann auch direkt einen Beratungstermin in einem Transplantationszentrum vereinbaren.

Das Hauptkriterium für die Aufnahme auf die Warteliste ist natürlich, dass eine terminale Niereninsuffizienz vorliegt. Keine große Rolle spielt das Alter des Patienten, entscheidend ist der individuelle Gesundheitszustand.

Als absolute Kontraindikationen nannte Antje Habicht unkontrollierte Infektionen und Tumorerkrankungen, schwere koronare Herzerkrankung (KHK), schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) sowie eine schwere Lungenerkrankung.

Wenn absehbar ist, dass der Patient nach einer Transplantation die Medikamente nicht nimmt und Nachsorgetermine nicht wahrnimmt, muss er damit rechnen, dass er nicht auf die Liste kommt.

Bei der Vergabe der Organe spielt das HLA-System (Human Leucocyte Antigen) eine wichtige Rolle. Es wird versucht, eine weitgehende Übereinstimmung der HLA-Merkmale zwischen Spender und Empfänger zu erreichen. Problematisch ist es, wenn der Empfänger HLA-Antikörper hat. Solche immunisierten Patienten warten zum Teil wesentlich länger auf das ersehnte Organ. Der PRA-Wert (Panel-reactive-antibody) gibt an, gegen wie viele potentielle Spender sich im Blut des Empfängers Antikörper befinden. Zum Beispiel bedeutet PRA50%, dass (statistisch gesehen) der Empfänger gegen jeden zweiten Spender Antikörper im Blut hat.

Die Vergabe der raren Organe erfolgt über Eurotransplant, wobei grundsätzlich vier Vergabe-Programme zur Verfügung stehen. Am häufigsten wird nach dem ETKAS-Programm ( ET-Kidney-Allocation-System) verteilt. Hier erfolgt die Verteilung nach einem Punktesystem. Beispielsweise werden bei einer vollkommenen Übereinstimmung der HLA-Merkmale zwischen Spender und Empfänger („Full House“) 400 Punkte gutgeschrieben. Die Wartezeit wird mit 33 Punkten pro Jahr berücksichtigt. Wenn das Organ aus der Region stammt, kommen nochmal 200 Punkte dazu.

Das Acceptable-mismatch-program (AM) wird für Wartepatienten eingesetzt, die hochimmunisiert sind und auf normalen Wege keine Chance hätten, ein Organ zu erhalten. Diese Patienten haben Vorrang, falls mal ein Organ angeboten wird, gegen das sie nicht immunisiert sind.

Beim ET-Senior-Programm werden Nieren von Spendern, die älter als 65 Jahre sind, auch auf Empfänger die älter als 65 sind verteilt. Das alleinige Kriterium ist hier die Wartezeit, die HLA Übereinstimmung spielt keine Rolle.

Man kann sich nun vorstellen, dass es durch diese komplizierten Verteilungsregeln keinen definierten Platz auf der Warteliste gibt. Die Reihenfolge der Empfänger wird mit jedem Spender neu berechnet.

IMG_3578Ein großes Dankeschön an Frau Dr. Habicht für diesen interessanten Vortrag. Wie wenig die Betroffenen eigentlich über dieses Thema wissen, konnte man daran ersehen, wieviele Fragen gestellt wurden. Die Referentin stand auch nach dem Vortrag noch geduldig für kurze Einzelgespräche zur Verfügung. Großes Lob dafür! Wir wissen es sehr zu schätzen.

Karl Votz-Siegemund

Aktuelle Entwicklungen in der Nierentransplantation

Zu unserem Stammtisch am 21.02.2016 im Hotel zur Post in München-Pasing hatten wir auch diesmal wieder einen renommierten Experten eingeladen. Über aktuelle Entwicklungen in der Nierentransplantation berichtete. Prof. Dr. Stefan Thorban, Oberarzt und leitender Transplantationschirurg in der Chirurgischen Klinik und Poliklinik im Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München. Er zeigte zum Einstieg eine Folie mit der Gesamtzahl der transplantierten Organe von 1963 – 2014. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum deutschlandweit 120.500 Organe transplantiert, davon 78.100 Nieren.

20160221_161753Die Hauptindikationen für eine Nierentransplantation sind eine zystische Nierenkrankheit, das chronisch nephritische Syndrom, eine chronische Nierenerkrankung, der primär insulinpflichtige Diabetes mellitus (Typ-1-Diabetes) sowie die hypertensive Nierenkrankheit. Derzeit stehen etwa 9000 Patienten auf der aktiven Warteliste für eine Nierentransplantation.

Die Zahl der Organspender ist in den letzten Jahren massiv eingebrochen. Waren es 2007 noch über 1300 Spender, sank die Zahl im Jahre 2014 auf gerade mal 864. Ein Hauptgrund dafür ist sicher, dass ein paar wenige Transplantationsmediziner versuchten einige ihrer Patienten mit gefälschten Fakten in der Warteliste nach oben zu tricksen. Als die Presse dann massiv darüber berichtete, haben viele potentielle Spender ihr Vertrauen in die Transplantationsmedizin verloren. Kein Wunder, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei den Organspenden den letzten Platz mit 10,9 Spendern pro Million Einwohner, einnimmt. Bayern ist sogar innerhalb Deutschlands noch das allerschlechteste Bundesland!!!

Professor Thorban ging dann auf die aktuellen Probleme der Transplantationsmedizin ein, wobei das Hauptproblem sicher der Organmangel ist. Durch die mangelnde Spendebereitschaft stehen relativ wenige Organe zur Verfügung und so versucht man durch erweiterte Kriterien, beispielsweise werden auch Organe von älteren Spendern als transplantabel eingestuft, mehr zu transplantieren.

Bei dem Acceptable-Mismatch-Programm werden Wartepatienten mit präformierten Anti-HLA-Antikörpern bei der Verteilung bevorzugt, da es für sie sehr schwer ist, ein passendes Organ zu finden. Explantierte Nieren, die von fünf Zentren abgelehnt wurden, werden nicht verworfen, sondern es wird versucht, sie als sogenanntes Zentrumsangebot zu vermitteln. Hier muss aber eine schriftliche Einverständniserklärung des Empfängers vorliegen. Erstaunlich dabei ist, dass ein solches Organ nicht zwangsläufig wesentlich schlechter funktioniert. Die Kreatinin-Clearance ist zwar etwas geringer und es gibt etwas mehr Op-Komplikationen wie Blutungen oder Harnleiterprobleme als bei normal verteilten Nieren, die Lebensdauer unterscheidet sich allenfalls kaum.

Durch die Immunsuppression sind Transplantierte einem hohen Risiko für maligne Tumoren ausgesetzt, so Stefan Thorban. Am häufigsten treten Hauttumoren, Lymphome und Kaposi-Sarkome auf. Calcineurininhibitoren und Kortison würden das Tumorrisiko erhöhen, mTOR-Inhibitoren sowie IL-2-Rezeptor Antikörper es eher senken.

Die Organisationen, die mit Transplantation und Organspende befasst sind, arbeiten ständig daran, die Allokation zu verbessern und die Verteilungsgerechtigkeit bei den knappen Organen zu steigern. So möchte Eurotransplant, dass Organe von Spendern der Blutgruppe 0 auch nur Empfängern der Blutgruppe 0 transplantiert werden. Außerdem soll es Bonuspunkte für Lebendspender geben, falls sie selber mal dialysepflichtig werden sollten. Die deutsche Transplantationsgesellschaft fordert die Einführung der Widerspruchslösung, die Prüfung der Option von „nicht herzschlagenden“ (d.h. herztoten) Spendern sowie die Stärkung der Transplantationsbeauftragten.

Die Pharmaforschung arbeitet an neuen Immunsuppressiva wie z.B. Belatacept (LEA 294), Sotrastaurin, Voclosporin, Janus-Kinase 3-Inhibitor um nur einige zu nennen.

In seiner Zusammenfassung zeigt Prof. Thorban mit der letzten Folie vier Punkte:

  • Die passive Warteliste steigt
  • Die Spendebereitschaft in Bayern ist weit unterdurchschnittlich
  • Eurotransplant verbessert Bedingungen für Empfänger und Lebendspender
  • Bessere Nutzung der knappen Organsresourcen durch Acceptable-Missmatch-Programm, Zentrumsangebote und ESP (Eurotransplant-Senior-Programm)

Wir danken Stefan Thorban für den sehr interessanten Vortrag und wissen es wirklich sehr zu schätzen wenn ein viel beschäftigter Transplantationsmediziner seinen freien Sonntagnachmittag „opfert“ um Mitgliedern einer Selbsthilfegruppe Neues über Nierentransplantationen zu erzählen. Großes Lob für den Referenten.

Karl Votz-Siegemund