Neue Lokation für Stammtischtreffen

Kurzmitteilung

Achtung!

Wir wechseln ab Oktober 2018 unser Stammtischlokal und „ziehen“ um ins Hofbräu Obermenzing in die Verdistraße 125. Der Stammtisch am 21.Oktober findet bereits dort statt. Es stehen Parkplätze zur Verfügung. Öffentlich ist die Wirtschaft z.B. mit der S2, Haltestelle Obermenzing und dann weiter mit dem Bus 143, Haltestelle Wöhlerstraße, erreichbar.

Die Stammtische am 18. März und am 06. Mai finden noch im Hotel zur Post in Pasing statt.

Versagen des deutschen Organspendesystems

Dramatische Entwicklung bei den Organspenden 2017
-Tiefpunkt erreicht!

Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) meldet wie jedes Jahr im Januar die Spenderzahlen für das vorhergehende Jahr. Bundesweit gab es 797 Organspender, 60 weniger als 2016, so die DSO in ihrem Bericht. Während im Jahr 2016 insgesamt noch 2867 Organe transplantiert werden konnten, waren es 2017 nur noch 2594. Ein Einbruch von fast 10 Prozent!
Das ist der niedrigste Stand bei den Organspenden seit 20 Jahren. Ein Skandal!

Gleich nach der Veröffentlichung des Berichts war der Aufschrei in der Presse hoch
– genau für zwei Tage – dann verschwand dieses Thema wieder im Nirwana. Sogar Christina Berndt von der Süddeutschen Zeitung, die in den letzten Jahren ja kein gutes Haar an der Transplantationsmedizin gelassen hat, schreibt in ihrem Kommentar vom 12.01.18: „Deutschland ist international nicht mehr ernst zu nehmen. Jedenfalls wenn es um Organspenden geht. Der gerade erschienene Jahresbericht der Stiftung Eurotransplant attestiert der Bundesrepublik ein krankes, kurz vor dem Siechtum stehendes Transplantationssystem“

Eigentlich kennt man die Gründe für diese desolate Situation. Und die haben wenig zu tun mit der Organspendebereitschaft der Bevölkerung, oder mit der unzureichenden Versorgung mit Organspenderausweisen. Umfragen zeigen immer wieder, dass die Mehrheit der Bevölkerung Organspende und Transplantation für eine gute Sache halten und durchaus bereit wären, nach dem Tode Organe zu spenden bzw. im Falle einer schweren Erkrankung auch selber eines anzunehmen.

Die Kliniken sind nach dem Transplantationsgesetz verpflichtet, potentielle Organspender zu melden. Es passiert aber nichts, wenn sie es nicht tun. Wozu braucht man ein Gesetz, wenn klare Gesetzesverstöße nicht sanktioniert werden? Oft ist es für ein Entnahmekrankenhaus lukrativer, nach Feststellung des Hirntods den Totenschein auszustellen und die Bestattungsfirma zu rufen. Die Pauschalen, die an die Kliniken für einen Organspender bezahlt werden, sind einfach zu gering. Häufig werden auch Transplantationsbeauftragte einfach bestimmt, ohne dass man überhaupt die Einstellung der jeweiligen Person zur Organspende und Transplantation überprüft. So gehen viele Organe „verloren“, die schwerkranken Patienten ein Weiterleben sichern könnten.

Prof. Bruno Meiser, der Leiter des Transplantationszentrums München-Großhadern und Präsident von Eurotransplant erklärt die Situation zur medizinischen Katastrophe und schreibt in der SZ v. 17.01.18 :“Rettet die Organspende“. Er fordert dringend einen nationalen Aktionsplan unter Federführung des Bundesgesundheitsministeriums. Neben einer adäquaten Vergütung für die Krankenhäuser; der Sanktionierung der Kliniken, die nicht an der Organspende teilnehmen; der zusätzlichen Bezahlung für Transplantationsbeauftragte sollte auch endlich die Widerspruchslösung eingeführt werden.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert angesichts der miserablen Spenderzahlen die Einführung der Widerspruchslösung. „Wir können verlangen, dass sich jeder aktiv erklärt, der seine Organe im Todesfall nicht für das Leben anderer Menschen hergeben möchte“, sagte der SPD-Politiker. Außerdem sollte die Spende nach einem Herzstillstand, wie sie in vielen Ländern Europas praktiziert wird, ebenfalls bei uns möglich sein.

In Nordrhein-Westfalen, wo der Einbruch besonders stark war, hat der Landtag fraktionsübergreifend für Organspende geworben. „Es ist fünf vor zwölf.”, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde.

Die DSO forderte bereits im November auf dem Jahreskongress einen Initiativplan mit klar definierten Handlungsschritten. Alle für die Transplantationsmedizin wichtigen medizinischen Fachgesellschaften, die Politik und die Patientenverbände sollten mit eingeschlossen werden, um die Organspende wieder gemeinsam auf Kurs zu bringen.

Jahrelang wurde von der Politik und teilweise auch von den Ärzten zugesehen, wie sich die Spenderzahlen immer weiter abwärts entwickelten. Was muss eigentlich noch passieren, dass endlich einmal reagiert wird? Es ist doch ein Schlag ins Gesicht eines jeden Patienten, der auf der Warteliste steht und durch ein etabliertes Verfahren gerettet werden könnte.

Tut endlich was!

Es kann nicht angehen, dass viel zu viele Schwerkranke auf der Liste versterben nur durch Versagen der Politik und Organisationsprobleme in den Kliniken. Man kann solche Sätze nicht mehr hören wie „Das ist bei uns nicht durchsetzbar.“ oder „Da bekommt man keine Mehrheit.“. Wie wollen wir denn den Patienten erklären, dass sie früher sterben müssen, weil sie in Deutschland und nicht in Spanien, Österreich oder Kroatien leben?
Fakt ist: so kann es nicht weitergehen!

Müssen bei uns wirklich auch in Zukunft jeden Tag Menschen auf Wartelisten sterben?
Müssen wir wirklich Schlusslicht in Europa bleiben?
Geht es statt um schwerkranke Menschen immer nur ums Geld?

Wir fordern, dass dieses dringende Problem schnellstens gelöst wird!

Frohe Weihnachten

Bilder von der Weihnachtsfeier 2017

RICHTIG. WICHTIG. LEBENSWICHTIG.

Nationaler Tag der Organspende am 04.06.2016 in München

„Richtig. Wichtig. Lebenswichtig.“ Unter diesem Motto stand dieses Jahr der  nationale  Tag  der Organspende, der am 04.06.2016 in München stattfand.  Seit 1983 informieren Selbsthilfeverbände wie beispielsweise der Bundesverband Niere e.V., jeweils am ersten Samstag im Juni, über das Thema Organspende und Organtransplantation.
Dieses Thema gehört zweifelsfrei in die Mitte der Gesellschaft und dankenswerterweise wurde von der Stadt München auch der Marienplatz, also die Stadtmitte, für dieses Ereignis zur Verfügung gestellt.
Die Veranstaltung startete mit einem ökumenischen Dankgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche. Hier war das Motto: „Die Liebe hört niemals auf“. 1. Korinther 13,8.
Pünktlich um 12:15 Uhr eröffnete der aus dem Fernsehen bekannte Moderator Dennis Wilms das Bühnenprogramm zum Tag der Organspende. Es folgten Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, die bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml, der zweite Bürgermeister der Stadt München Josef Schmid, der Präsident der bayerischen Ärztekammer Dr. Max Kaplan , die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Dr. Heidrun M. Thaiss, die Vorstände der Deutschen Stiftung Organtransplantation Dr. Axel Rahmel und Thomas Biet und als Vertreterin der Patientenverbände Jutta Riemer von Lebertransplantierte Deutschland e.V. . Sie alle sprachen ihre Grußworte.


Bei der anschließenden Aktion „Geschenkte Lebensjahre“ erhielt jeder anwesende Organempfänger ein Schild mit der Anzahl von Jahren seit der Transplantation. Die Transplantierten gingen dann mit den Schildern auf die Bühne und zeigten sie fürs Publikum hoch.  Die Jahre wurden zusammengezählt und es kamen insgesamt 882  „geschenkte Lebensjahre“ raus. Diese Aktion gibt es nun seit ein paar Jahren und im Vergleich zu den anderen Städten kam München immerhin auf den zweiten Platz. Nur Stuttgart hatte 2014 mit 976 „geschenkten Lebensjahren“ mehr zu bieten.
Insgesamt waren 23 Verbände bzw. Organisationen auf dem Marienplatz vertreten und die Besucher konnten sich in den Infozelten ausführlich über Organspende und Transplantation kundig machen. Stellvertretend für alle anderen Organisationen sollen hier die Deutsche Stiftung Organtransplantation, der Bundesverband Niere e.V., der Bundesverband der Organtransplantierten e.V., die Lebertransplantierten Deutschland e.V., Transdia, die Reha Fachklinik Bad Heilbronn und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung genannt werden.
Die Regionalgruppe München hatte übrigens einen gemeinschaftlichen Stand zusammen mit dem Bundesverband Niere e.V.
Sehr erfreulich war, dass relativ viele Mitglieder dem Aufruf von Franz Novy in der Mitgliederversammlung des Landesverbandes Niere-Bayern e.V. 2016 gefolgt sind und nach München kamen. Es ist immer wieder schön, wenn man bekannte „Gesichter“ am Infostand begrüßen darf.
Ein bunt gestecktes Rahmenprogramm mit nationalen und internationalen Künstlern und Gruppen sollte natürlich Aufmerksamkeit erregen und auch Passanten an die Pavillons „locken“. So traten Sydney Youngblood, Mary Roos, Claudia Jung,  Die Dandys, Bernie Paul und Die Hot Banditoz auf. Dazwischen gab es auf der Bühne insgesamt sechs Gesprächsrunden mit unterschiedlichen Teilnehmern, wie z. B. mit Melanie Huml, Prof. Dr. mult. Eckard Nagel, Professor an der Uni Bayreuth, Jutta Riemer,  Dr. Doris Gerbig, Chefärztin Nephrologie, Fachklinik Bad Heilbrunn und Peter Kreilkamp von Transdia.
Hermann Gröhe, Melanie Huml, Eckard Nagel, Axel Rahmel und Bernhard Seidenath besuchten dann auch jedes Infozelt und es gab Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch bzw. gemeinsamen Foto.
Um 18 Uhr beendete Dennis Wilms die Veranstaltung mit einem großen Dankeschön an alle Beteiligten.

Fazit und Kommentar:
Die Veranstaltung war zweifelsfrei sehr professionell organisiert.  Im Vorfeld haben auch verschiedene Medien über den Tag der Organspende berichtet und vor Ort war der Bayerische Rundfunk mit einem Fernsehteam. Bis heute fehlen mir aber weitere Presseberichte vom Tag oder Nachbetrachtungen.   Wie viele Besucher es tatsächlich waren, kann sehr schlecht beurteilt werden, da durch die stehenden Infozelte es nur eine breite Gasse für die Passanten gab und ja alle an den Pavillons vorbei mussten. Dabei sind natürlich viele erstmal durch die Musikdarbietungen angelockt worden. Wir von der Regionalgruppe München konnten viele interessante Gespräche führen und sogar vier neue Mitglieder gewinnen. Auf jeden Fall hat sich jeder Beteiligte große Mühe gegeben, dass es ein erfolgreiches Ereignis wird.  Dafür herzlichen Dank! Wenn es durch diese Mega-Veranstaltung auch nur zu einer Organspende kommt und ein Patient gerettet werden kann, hat sich das Ganze schon rentiert. Etwas enttäuscht war ich von den Statements der Kirchenvertreter. Soweit ich mich erinnern kann, war es Ende der Neunziger Jahre noch Konsens, dass Organspende eine Christenpflicht ist,  zwischenzeitlich ist man leider davon abgekommen. Nunmehr wird die individuelle Entscheidung über alles gestellt und wenn man auch nicht spenden möchte, so sei man moralisch trotzdem auf der sicheren Seite. In einem persönlichen Gespräch mit der Stadtdekanin Barbara Kittelberger wurde mir diese Auffassung nochmal bestätigt. Ich hatte nämlich vorgeschlagen, dass, wenn jemand nicht spenden möchte, derjenige dann benachteiligt werden müsste, wenn er selber mal ein Organ bräuchte. Das wäre ethisch nicht vertretbar, so Barbara Kittelberger. Mittlerweile fordern ja auch die katholischen Bischöfe eine enge Zustimmungslösung. Hier waren wir auch schon mal weiter. Auch der Vertreter der Islamischen Mitbürger stellt die Entscheidung jedem frei.  Da kann man sich schon fragen, wozu eine Religionsgemeinschaft Führungspersönlichkeiten braucht, die nicht führen sondern ihren Schäfchen nur sagen: „Macht, was Ihr wollt.“

Kriterien zur Aufnahme auf die Warteliste für Nierentransplantationen

Vielen nierenkranken Patienten, die bereits auf eine Dialysebehandlung angewiesen sind, ist eigentlich nicht klar, wie sie auf die Warteliste für eine Nierentransplantation kommen. Wie ist der Weg, bin ich überhaupt geeignet, wie lange dauert das Procedere und mit welcher Wartezeit habe ich zu rechnen sind wohl die häufigsten Fragen.

Wer könnte hier wohl besser Auskunft geben als Frau PD Dr. Antje Habicht, nephrologische Oberärztin im Transplantationszentrum der LMU? Wir sind sehr froh und dankbar, dass sie sofort zugesagt hat, einen Vortrag über diese Thematik im Rahmen unseres monatlichen Stammtisches zu halten.

IMG_3573Antje Habicht ging zuerst auf den eklatanten Rückgang der Transplantationen in den letzten Jahren ein, der in erster Linie auf den sogenannten Transplantationsskandal zurückzuführen ist. Potentielle Organspender hatten ihr Vertrauen in die Transplantationsmedizin verloren und die Spendebereitschaft ging erheblich zurück. So gab es in Deutschland im Jahr 2014 nur 10,7 Organspender pro eine Million Einwohner, wobei Bayern mit 9,5 Organspender noch schlechter abschnitt. Zum Vergleich gab es in Spanien 35,1 postmortale Organspender pro eine Million Einwohner, in Kroatien 35 und in Österreich 24,6.

IMG_3579Wenn ein Patient sich transplantieren lassen möchte, bespricht er das am besten mit seinem Dialysearzt oder Nephrologen. Er kann auch direkt einen Beratungstermin in einem Transplantationszentrum vereinbaren.

Das Hauptkriterium für die Aufnahme auf die Warteliste ist natürlich, dass eine terminale Niereninsuffizienz vorliegt. Keine große Rolle spielt das Alter des Patienten, entscheidend ist der individuelle Gesundheitszustand.

Als absolute Kontraindikationen nannte Antje Habicht unkontrollierte Infektionen und Tumorerkrankungen, schwere koronare Herzerkrankung (KHK), schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) sowie eine schwere Lungenerkrankung.

Wenn absehbar ist, dass der Patient nach einer Transplantation die Medikamente nicht nimmt und Nachsorgetermine nicht wahrnimmt, muss er damit rechnen, dass er nicht auf die Liste kommt.

Bei der Vergabe der Organe spielt das HLA-System (Human Leucocyte Antigen) eine wichtige Rolle. Es wird versucht, eine weitgehende Übereinstimmung der HLA-Merkmale zwischen Spender und Empfänger zu erreichen. Problematisch ist es, wenn der Empfänger HLA-Antikörper hat. Solche immunisierten Patienten warten zum Teil wesentlich länger auf das ersehnte Organ. Der PRA-Wert (Panel-reactive-antibody) gibt an, gegen wie viele potentielle Spender sich im Blut des Empfängers Antikörper befinden. Zum Beispiel bedeutet PRA50%, dass (statistisch gesehen) der Empfänger gegen jeden zweiten Spender Antikörper im Blut hat.

Die Vergabe der raren Organe erfolgt über Eurotransplant, wobei grundsätzlich vier Vergabe-Programme zur Verfügung stehen. Am häufigsten wird nach dem ETKAS-Programm ( ET-Kidney-Allocation-System) verteilt. Hier erfolgt die Verteilung nach einem Punktesystem. Beispielsweise werden bei einer vollkommenen Übereinstimmung der HLA-Merkmale zwischen Spender und Empfänger („Full House“) 400 Punkte gutgeschrieben. Die Wartezeit wird mit 33 Punkten pro Jahr berücksichtigt. Wenn das Organ aus der Region stammt, kommen nochmal 200 Punkte dazu.

Das Acceptable-mismatch-program (AM) wird für Wartepatienten eingesetzt, die hochimmunisiert sind und auf normalen Wege keine Chance hätten, ein Organ zu erhalten. Diese Patienten haben Vorrang, falls mal ein Organ angeboten wird, gegen das sie nicht immunisiert sind.

Beim ET-Senior-Programm werden Nieren von Spendern, die älter als 65 Jahre sind, auch auf Empfänger die älter als 65 sind verteilt. Das alleinige Kriterium ist hier die Wartezeit, die HLA Übereinstimmung spielt keine Rolle.

Man kann sich nun vorstellen, dass es durch diese komplizierten Verteilungsregeln keinen definierten Platz auf der Warteliste gibt. Die Reihenfolge der Empfänger wird mit jedem Spender neu berechnet.

IMG_3578Ein großes Dankeschön an Frau Dr. Habicht für diesen interessanten Vortrag. Wie wenig die Betroffenen eigentlich über dieses Thema wissen, konnte man daran ersehen, wieviele Fragen gestellt wurden. Die Referentin stand auch nach dem Vortrag noch geduldig für kurze Einzelgespräche zur Verfügung. Großes Lob dafür! Wir wissen es sehr zu schätzen.

Karl Votz-Siegemund

Aktuelle Entwicklungen in der Nierentransplantation

Zu unserem Stammtisch am 21.02.2016 im Hotel zur Post in München-Pasing hatten wir auch diesmal wieder einen renommierten Experten eingeladen. Über aktuelle Entwicklungen in der Nierentransplantation berichtete. Prof. Dr. Stefan Thorban, Oberarzt und leitender Transplantationschirurg in der Chirurgischen Klinik und Poliklinik im Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München. Er zeigte zum Einstieg eine Folie mit der Gesamtzahl der transplantierten Organe von 1963 – 2014. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum deutschlandweit 120.500 Organe transplantiert, davon 78.100 Nieren.

20160221_161753Die Hauptindikationen für eine Nierentransplantation sind eine zystische Nierenkrankheit, das chronisch nephritische Syndrom, eine chronische Nierenerkrankung, der primär insulinpflichtige Diabetes mellitus (Typ-1-Diabetes) sowie die hypertensive Nierenkrankheit. Derzeit stehen etwa 9000 Patienten auf der aktiven Warteliste für eine Nierentransplantation.

Die Zahl der Organspender ist in den letzten Jahren massiv eingebrochen. Waren es 2007 noch über 1300 Spender, sank die Zahl im Jahre 2014 auf gerade mal 864. Ein Hauptgrund dafür ist sicher, dass ein paar wenige Transplantationsmediziner versuchten einige ihrer Patienten mit gefälschten Fakten in der Warteliste nach oben zu tricksen. Als die Presse dann massiv darüber berichtete, haben viele potentielle Spender ihr Vertrauen in die Transplantationsmedizin verloren. Kein Wunder, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei den Organspenden den letzten Platz mit 10,9 Spendern pro Million Einwohner, einnimmt. Bayern ist sogar innerhalb Deutschlands noch das allerschlechteste Bundesland!!!

Professor Thorban ging dann auf die aktuellen Probleme der Transplantationsmedizin ein, wobei das Hauptproblem sicher der Organmangel ist. Durch die mangelnde Spendebereitschaft stehen relativ wenige Organe zur Verfügung und so versucht man durch erweiterte Kriterien, beispielsweise werden auch Organe von älteren Spendern als transplantabel eingestuft, mehr zu transplantieren.

Bei dem Acceptable-Mismatch-Programm werden Wartepatienten mit präformierten Anti-HLA-Antikörpern bei der Verteilung bevorzugt, da es für sie sehr schwer ist, ein passendes Organ zu finden. Explantierte Nieren, die von fünf Zentren abgelehnt wurden, werden nicht verworfen, sondern es wird versucht, sie als sogenanntes Zentrumsangebot zu vermitteln. Hier muss aber eine schriftliche Einverständniserklärung des Empfängers vorliegen. Erstaunlich dabei ist, dass ein solches Organ nicht zwangsläufig wesentlich schlechter funktioniert. Die Kreatinin-Clearance ist zwar etwas geringer und es gibt etwas mehr Op-Komplikationen wie Blutungen oder Harnleiterprobleme als bei normal verteilten Nieren, die Lebensdauer unterscheidet sich allenfalls kaum.

Durch die Immunsuppression sind Transplantierte einem hohen Risiko für maligne Tumoren ausgesetzt, so Stefan Thorban. Am häufigsten treten Hauttumoren, Lymphome und Kaposi-Sarkome auf. Calcineurininhibitoren und Kortison würden das Tumorrisiko erhöhen, mTOR-Inhibitoren sowie IL-2-Rezeptor Antikörper es eher senken.

Die Organisationen, die mit Transplantation und Organspende befasst sind, arbeiten ständig daran, die Allokation zu verbessern und die Verteilungsgerechtigkeit bei den knappen Organen zu steigern. So möchte Eurotransplant, dass Organe von Spendern der Blutgruppe 0 auch nur Empfängern der Blutgruppe 0 transplantiert werden. Außerdem soll es Bonuspunkte für Lebendspender geben, falls sie selber mal dialysepflichtig werden sollten. Die deutsche Transplantationsgesellschaft fordert die Einführung der Widerspruchslösung, die Prüfung der Option von „nicht herzschlagenden“ (d.h. herztoten) Spendern sowie die Stärkung der Transplantationsbeauftragten.

Die Pharmaforschung arbeitet an neuen Immunsuppressiva wie z.B. Belatacept (LEA 294), Sotrastaurin, Voclosporin, Janus-Kinase 3-Inhibitor um nur einige zu nennen.

In seiner Zusammenfassung zeigt Prof. Thorban mit der letzten Folie vier Punkte:

  • Die passive Warteliste steigt
  • Die Spendebereitschaft in Bayern ist weit unterdurchschnittlich
  • Eurotransplant verbessert Bedingungen für Empfänger und Lebendspender
  • Bessere Nutzung der knappen Organsresourcen durch Acceptable-Missmatch-Programm, Zentrumsangebote und ESP (Eurotransplant-Senior-Programm)

Wir danken Stefan Thorban für den sehr interessanten Vortrag und wissen es wirklich sehr zu schätzen wenn ein viel beschäftigter Transplantationsmediziner seinen freien Sonntagnachmittag „opfert“ um Mitgliedern einer Selbsthilfegruppe Neues über Nierentransplantationen zu erzählen. Großes Lob für den Referenten.

Karl Votz-Siegemund

Weihnachten 2015

Unseren Mitgliedern und Besuchern der Homepage wünschen wir eine besinnliche Adventszeit, frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr 2016.

Dr. Angelika Eder von der DSO referiert über Voraussetzungen und Ablauf einer Organspende

Zu unserem Stammtisch am 19.04.2015 im Hotel zur Post in Pasing konnten wir als Referentin Frau Dr. Angelika Eder, die Oberkoordinatorin der DSO in München, gewinnen. Diesmal wurden unsere Mitglieder schriftlich zu dem Vortrag eingeladen. Wenn Frau Eder schon ihren Sonntag-Nachmittag für uns „opfert“, sollten wenigstens Zuhörer da sein. Nun die Überraschung: der Vortragssaal war bis zum letzten Platz gefüllt, so viele Mitglieder kommen sonst nur zur Weihnachtsfeier! Schon mal 1:0 für Angelika Eder.

011Die Referentin erklärte erstmal den Unterschied zwischen Lebendspende und postmortaler Spende. In erster Linie kommen für die Lebendspende die Nieren in Frage, aber auch Segmente der Leber bzw. ein Lungenflügel. Bei einer postmortalen Spende können grundsätzlich das Herz, die Leber, die Lunge, die Nieren, die Bauchspeicheldrüse und in seltenen Fällen auch der Dünndarm transplantiert werden.

Die Krankenhäuser sind lt. Transplantationsgesetz eigentlich verpflichtet, hirntote Patienten der DSO zu melden. Wenn sie es nicht machen, kommt es allerdings zu keinen Sanktionen.

010Das Gesetz schreibt zwei Voraussetzungen für eine Organspende vor: der diagnostizierte Hirntod sowie eine Einverständniserklärung (Organspendeausweis bzw. Einwilligung der Angehörigen). Das Hauptproblem der Organspende ist, zu akzeptieren, dass der Hirntod ein sicheres Todeszeichen ist. In den Medien kommt es immer wieder zu reißerischen Artikeln und Berichten, wo ein Sterbender bei lebendigem Leib durch die bösen Transplantationsmediziner ausgeschlachtet wurde.

Die Hirntoddiagnose wird nach einem vorgeschriebenen Protokoll der Bundesärztekammer gestellt. Dabei werden beispielsweise die Stammhirnreflexe getestet und ein EEG geschrieben. Diese Untersuchungen sind von zwei unterschiedlichen Ärzten durchzuführen (meist Intensivmediziner, Anästhesisten oder Neurologen) die mit der Transplantation von Organen nichts zu tun haben. Eine Wiederholung der Tests und Untersuchungen erfolgt dann nach etwa 12 Stunden.

005Nach Diagnosestellung gibt es zwei Möglichkeiten: entweder Abbruch der Beatmung und Ausstellung des Totenscheins oder falls der Organentnahme zugestimmt wurde, Weiterführung entsprechender kreislauferhaltender Maßnahmen. Falls der potentielle Spender an die DSO gemeldet wird und noch keine Einwilligung der Angehörigen vorliegt, werden die Koordinatoren der DSO zu dem schwierigen Gespräch mit den Angehörigen hinzugezogen. Man versucht nun, sehr behutsam den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen zu eruieren. Das Ziel ist eine stabile Entscheidung zu erreichen, mit der die Angehörigen auch leben können, so Angelika Eder. Es hat natürlich keinen Sinn, hier irgendeinen moralischen Druck o.ä. auszuüben.

Wenn die Zustimmung erfolgt ist, beginnt die eigentliche Arbeit der DSO-Koordinatoren, die den gesamten Ablauf der Spende logistisch betreuen. Zuerst wird der Verstorbene untersucht. Man versucht auch, an Informationen über einen evtl. Auslandsaufenthalt zu kommen. Hat er kürzlich einen Lebendimpfstoff (Gelbfieberimpfung) bekommen? Dann wäre er für eine Organspende nicht geeignet. Sind irgendwelche bösartigen Erkrankungen bekannt usw.? Selbstverständlich werden auch die Laborwerte ermittelt. Nach der Eignungsbeurteilung als Spender erfolgt die Weiterleitung der medizinischen Daten an die zentrale Vermittlungsstelle Eurotransplant . Eurotransplant ermittelt nun nach den Daten der Patienten, die auf der Warteliste stehen, die passenden Empfänger. Die Transplantationszentren werden informiert und die ausgewählten Empfänger einbestellt. Meist wissen die behandelten Ärzte z.B. in den Dialysezentren, ob der potentielle Empfänger derzeit transplantationsfähig ist.

004Die Explantation der Organe wird immer im Spenderkrankenhaus durch die angereisten Teams vorgenommen. Da man z.B. beim Herz nur eine Zeitspanne von drei bis vier Stunden von der Explantation bis zur Einpflanzung zur Verfügung hat, ist höchste Eile geboten. Bei den Nieren ist das Zeitfenster größer und im Extremfall kann sogar noch nach 40 Stunden transplantiert werden. Aber auch hier gilt: Je kürzer diese sogenannte kalte Ischämiezeit ist, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

Nach dem interessanten Vortrag von Angelika Eder nutzten die Zuhörer die Gelegenheit und stellten Fragen. Einige unserer Vereinsmitglieder kommen sehr gut mit der Dialysebehandlung zurecht und würden sich nicht transplantieren lassen. Frau Eder betonte auch, dass die Transplantation nicht für jeden Patienten die optimale Therapie sei. Dies müsse von Fall zu Fall entschieden werden. Grundsätzlich ist aber eine erfolgreiche Transplantation der Dialysebehandlung überlegen und bringt für den Patienten eine bessere Lebensqualität.

Zwischendurch fragte Frau Eder mal nach, ob wir sie schon verstehen würden, ansonsten könne sie auch hochdeutsch sprechen. Wir haben ihr charmantes bayrisch sehr gut verstanden und bedanken uns recht herzlich für Ihren Vortrag und ihr Engagement für die Organspende und die Transplantationsmedizin.

Großes Lob!

Karl Votz-Siegemund

Frohe Weihnachten 2014

Unseren Mitgliedern und Besuchern der Homepage wünschen wir eine besinnliche Adventszeit, frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr 2014.

Bilder von der Weihnachtsfeier unserer Selbsthilfegruppe: