Organspendezahlen 2016 auf Niedrigstniveau

Wie jedes Jahr im Januar gab die DSO die vorläufigen Organspendezahlen für das vorhergehende Jahr bekannt: 2016 haben in Deutschland nur 857 Menschen Organe nach Ihrem Tod gespendet. Das ist der absolute Negativrekord! Eigentlich hatte man ja gedacht, nach dem sogenannten „Transplantationsskandal“ wäre wieder Vertrauen aufgebaut worden und das Blatt würde sich zum Besseren wenden. Falsch gedacht! Es ist ja nicht so, dass nichts passiert wäre seit Aufdeckung der Listenmanipulationen. So wurde das Transplantationsgesetz mehrfach modifiziert, das sogenannte Sechs-Augen-Prinzip wurde eingeführt, alle Transplantationszentren werden mindestens einmal in drei Jahren unangemeldet überprüft, auch sind Wartelistenmanipulationen mittlerweile strafbar und können mit Freiheitsstrafe belegt werden usw..

Scheinbar haben diese vertrauensbildenden Maßnahmen nichts gebracht. Über 10.000 Patienten stehen in Deutschland weiterhin auf den Wartelisten und warten dringend auf ein Spenderorgan. Drei davon sterben täglich!

Erste Ergebnisse der aktuellen BZgA-Repräsentativbefragung (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) zeigen eigentlich ein durchaus positives Bild. Gefragt wurde, wie man zur Organspende steht und hier ist das Ergebnis: 81% der Befragten hatten eine positive Einstellung zu diesem Thema und 32 % gaben an, einen Organspendeausweis zu besitzen. Anscheinend wird hier nicht immer wahrheitsgemäß geantwortet. Jeder der aktiv mit Aufklärungsarbeit über Organspende zu tun hat, schaut verwundert auf diese Zahlen. Transplantationsmediziner und die DSO gehen im Gegenteil davon aus, dass nur etwa 10 % der tatsächlichen Organspender einen Organspendeausweis besaßen.

Insgesamt scheint ja eine gewisse Bereitschaft, Organe nach dem Tode zu spenden vorhanden zu sein. Warum sind dann die Zahlen derart schlecht? Natürlich ist ein Grund die damalige Wartelistenmanipulation in einigen Transplantationszentren.

Hatten wir 2010 noch 1296 Spender, so kam es nicht zuletzt wegen dieser Tricksereien zu einem massiven Einbruch. Das ist aber sicher nicht der einzige Grund: Länder mit der sogenannten Widerspruchslösung stehen bei der Organspende wesentlich besser da als Deutschland. Spanien hat beispielsweise ein sehr erfolgreiches Organspendeprogramm. Hier kommen auf eine Million Einwohner etwa 35 Organspender. In Deutschland sind es nur rund 10 Spender.

Von der politischen Seite kann man in Richtung Widerspruchslösung nichts erwarten. Seit Jahren oder Jahrzehnten hört man immer wieder, dass diese in Deutschland nicht durchsetzbar wäre. Wahlen lassen sich nämlich mit dieser nicht gerade populären Thematik nicht gewinnen. Dafür ist die Betroffenengruppe einfach zu klein.

Die wichtigsten Schaltstellen bei der Organspende sind sicher die Entnahmekrankenhäuser. Mit der bundesweiten Einsetzung von Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern ist man auf einem guten Weg. Deren Aufgabe soll aber nicht „mit der linken Hand“ erledigt werden, sondern mit Empathie für diesen ganz speziellen Bereich und muss eine Wertschätzung nicht zuletzt durch die Klinikleitung erfahren.

Oft werden solche oft unbeliebten Spezialaufgaben irgendjemandem „aufs Auge gedrückt“, nur um den gesetzlichen Vorschriften genüge zu tun. Das ist aber absolut kontraproduktiv. Das sensible Thema Organspende braucht dringend den engagierten „Kümmerer“ vor Ort, der sich einsetzt und auch die Mitarbeiter, die damit zu tun haben, entsprechend motiviert. Nur wenn alle in der Klinik, die mit Organspende zu tun haben, an einem Strang ziehen, kann eine Verbesserung der Situation erreicht werden.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine neue Informationskampagne für Organspende gestartet. Das Motto dieser Aktion ist: „Egal wie Sie ihn tragen, Hauptsache Sie haben ihn. Den Organspendeausweis. Informieren, entscheiden, ausfüllen“. Bisher haben solche Kampagnen wenig gebracht. Am Ende des Tages zählen halt nur die Fakten!

Aussichtsreicher scheint die Initiative „Bündnis Organspende Bayern“ zu werden, die am 14. März 2016 vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gegründet wurde. Dieser Aktionsgemeinschaft gehören mehr als 60 Partner an. Dazu zählen neben den gesundheitspolitischen Institutionen auch Kirchen, Sozialverbände und Vertreter der Medien.

Auch der Landesverband Niere Bayern e.V. ist mit dabei. Vorbild war wohl das Aktionsbündnis Organspende Baden Württemberg, das bereits seit 2006 besteht.

In der Präambel der Initiative heißt es: „Ziel des Bündnisses ist es, eine Sensibilisierung aller Bevölkerungsschichten für das Thema Organspende zu erreichen und beizutragen, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger Bayerns mit der Frage der eigenen Organspendebereitschaft auseinandersetzen und hierzu eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung treffen (Kultur der Organspende).“

Nach der Sitzung der Gesamtgruppe am 14.12.2016 wurden folgende Leitsätze verabschiedet:

Leitsatz 1

Organspende schenkt Leben.

Leitsatz 2

Organspende ist eine Herzensangelegenheit, ein Akt der Solidarität und Nächstenliebe.

Leitsatz 3

Jeder Mensch sollte persönlich entscheiden.

Leitsatz 4

Ein Organspendeausweis schafft Klarheit – auch für die Angehörigen.

Leitsatz 5

Gemeinsam für eine Kultur der Organspende

Als „Leuchtturmprojekt“ wird der Bayerische Fußball-Verband, der Mitglied im Bündnis ist, das letzte Spielwochenende im April und am 01.Mai 2017 unter das Motto Organspende stellen. Rund 4000 Vereine bayernweit -allerdings nur unterhalb der Profi-Ligen- werden sich daran beteiligen. Im Sender Sport 1 wird am 01. Mai 2017 live um 20:15 Uhr das Spiel Burghausen gegen Unterhaching übertragen. In einer Pressemitteilung der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml heißt es: „Ziel ist es, sowohl medial als auch vor Ort möglichst viele Menschen mit dem Thema Organspende in Berührung zu bringen. Fußball hat eine hohe gesellschaftliche Integrationskraft. Dies möchten wir nutzen, um das Thema Organspende bayernweit in die Fläche – hier konkret auf den Fußballplatz – zu bringen.

Bei der Sitzung am 14.12.2016 warb Peter Kreilkamp von TransDia e.V. mit einer Präsentation für die Bewerbung für die „World Transplant Games“, die in München stattfinden sollen.

Grundsätzlich wurde eine Bewerbung von der Gesamtgruppe befürwortet. Man erhofft sich durch eine professionelle mediale Aufbereitung solcher Spiele eine hohe Aufmerksamkeit für die Leistungen der transplantierten Sportler und nachfolgend eine höhere Organspendebereitschaft in der Bevölkerung. Noch ist unklar war, wer die Kosten der Bewerbung tragen soll.

Grundsätzlich sind solche Initiativen zu begrüßen. Man kann aber nicht erwarten, dass sich sozusagen von heute auf morgen das Spendeverhalten wesentlich ändert. Geben wir dem Bündnis für Organspende Zeit und eine Chance. Letztendlich muss es sich an den Spenderzahlen messen und bewerten lassen.

Übrigens hat in den Niederlanden das Parlament beschlossen, dass bei der Organspende künftig das Widerspruchsrecht gelten soll. Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, sprach sich für eine neue Debatte aus. Die Zeit sei reif für eine neue Diskussion über die Widerspruchslösung. Recht hat er!

RICHTIG. WICHTIG. LEBENSWICHTIG.

Nationaler Tag der Organspende am 04.06.2016 in München

„Richtig. Wichtig. Lebenswichtig.“ Unter diesem Motto stand dieses Jahr der  nationale  Tag  der Organspende, der am 04.06.2016 in München stattfand.  Seit 1983 informieren Selbsthilfeverbände wie beispielsweise der Bundesverband Niere e.V., jeweils am ersten Samstag im Juni, über das Thema Organspende und Organtransplantation.
Dieses Thema gehört zweifelsfrei in die Mitte der Gesellschaft und dankenswerterweise wurde von der Stadt München auch der Marienplatz, also die Stadtmitte, für dieses Ereignis zur Verfügung gestellt.
Die Veranstaltung startete mit einem ökumenischen Dankgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche. Hier war das Motto: „Die Liebe hört niemals auf“. 1. Korinther 13,8.
Pünktlich um 12:15 Uhr eröffnete der aus dem Fernsehen bekannte Moderator Dennis Wilms das Bühnenprogramm zum Tag der Organspende. Es folgten Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, die bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml, der zweite Bürgermeister der Stadt München Josef Schmid, der Präsident der bayerischen Ärztekammer Dr. Max Kaplan , die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Dr. Heidrun M. Thaiss, die Vorstände der Deutschen Stiftung Organtransplantation Dr. Axel Rahmel und Thomas Biet und als Vertreterin der Patientenverbände Jutta Riemer von Lebertransplantierte Deutschland e.V. . Sie alle sprachen ihre Grußworte.


Bei der anschließenden Aktion „Geschenkte Lebensjahre“ erhielt jeder anwesende Organempfänger ein Schild mit der Anzahl von Jahren seit der Transplantation. Die Transplantierten gingen dann mit den Schildern auf die Bühne und zeigten sie fürs Publikum hoch.  Die Jahre wurden zusammengezählt und es kamen insgesamt 882  „geschenkte Lebensjahre“ raus. Diese Aktion gibt es nun seit ein paar Jahren und im Vergleich zu den anderen Städten kam München immerhin auf den zweiten Platz. Nur Stuttgart hatte 2014 mit 976 „geschenkten Lebensjahren“ mehr zu bieten.
Insgesamt waren 23 Verbände bzw. Organisationen auf dem Marienplatz vertreten und die Besucher konnten sich in den Infozelten ausführlich über Organspende und Transplantation kundig machen. Stellvertretend für alle anderen Organisationen sollen hier die Deutsche Stiftung Organtransplantation, der Bundesverband Niere e.V., der Bundesverband der Organtransplantierten e.V., die Lebertransplantierten Deutschland e.V., Transdia, die Reha Fachklinik Bad Heilbronn und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung genannt werden.
Die Regionalgruppe München hatte übrigens einen gemeinschaftlichen Stand zusammen mit dem Bundesverband Niere e.V.
Sehr erfreulich war, dass relativ viele Mitglieder dem Aufruf von Franz Novy in der Mitgliederversammlung des Landesverbandes Niere-Bayern e.V. 2016 gefolgt sind und nach München kamen. Es ist immer wieder schön, wenn man bekannte „Gesichter“ am Infostand begrüßen darf.
Ein bunt gestecktes Rahmenprogramm mit nationalen und internationalen Künstlern und Gruppen sollte natürlich Aufmerksamkeit erregen und auch Passanten an die Pavillons „locken“. So traten Sydney Youngblood, Mary Roos, Claudia Jung,  Die Dandys, Bernie Paul und Die Hot Banditoz auf. Dazwischen gab es auf der Bühne insgesamt sechs Gesprächsrunden mit unterschiedlichen Teilnehmern, wie z. B. mit Melanie Huml, Prof. Dr. mult. Eckard Nagel, Professor an der Uni Bayreuth, Jutta Riemer,  Dr. Doris Gerbig, Chefärztin Nephrologie, Fachklinik Bad Heilbrunn und Peter Kreilkamp von Transdia.
Hermann Gröhe, Melanie Huml, Eckard Nagel, Axel Rahmel und Bernhard Seidenath besuchten dann auch jedes Infozelt und es gab Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch bzw. gemeinsamen Foto.
Um 18 Uhr beendete Dennis Wilms die Veranstaltung mit einem großen Dankeschön an alle Beteiligten.

Fazit und Kommentar:
Die Veranstaltung war zweifelsfrei sehr professionell organisiert.  Im Vorfeld haben auch verschiedene Medien über den Tag der Organspende berichtet und vor Ort war der Bayerische Rundfunk mit einem Fernsehteam. Bis heute fehlen mir aber weitere Presseberichte vom Tag oder Nachbetrachtungen.   Wie viele Besucher es tatsächlich waren, kann sehr schlecht beurteilt werden, da durch die stehenden Infozelte es nur eine breite Gasse für die Passanten gab und ja alle an den Pavillons vorbei mussten. Dabei sind natürlich viele erstmal durch die Musikdarbietungen angelockt worden. Wir von der Regionalgruppe München konnten viele interessante Gespräche führen und sogar vier neue Mitglieder gewinnen. Auf jeden Fall hat sich jeder Beteiligte große Mühe gegeben, dass es ein erfolgreiches Ereignis wird.  Dafür herzlichen Dank! Wenn es durch diese Mega-Veranstaltung auch nur zu einer Organspende kommt und ein Patient gerettet werden kann, hat sich das Ganze schon rentiert. Etwas enttäuscht war ich von den Statements der Kirchenvertreter. Soweit ich mich erinnern kann, war es Ende der Neunziger Jahre noch Konsens, dass Organspende eine Christenpflicht ist,  zwischenzeitlich ist man leider davon abgekommen. Nunmehr wird die individuelle Entscheidung über alles gestellt und wenn man auch nicht spenden möchte, so sei man moralisch trotzdem auf der sicheren Seite. In einem persönlichen Gespräch mit der Stadtdekanin Barbara Kittelberger wurde mir diese Auffassung nochmal bestätigt. Ich hatte nämlich vorgeschlagen, dass, wenn jemand nicht spenden möchte, derjenige dann benachteiligt werden müsste, wenn er selber mal ein Organ bräuchte. Das wäre ethisch nicht vertretbar, so Barbara Kittelberger. Mittlerweile fordern ja auch die katholischen Bischöfe eine enge Zustimmungslösung. Hier waren wir auch schon mal weiter. Auch der Vertreter der Islamischen Mitbürger stellt die Entscheidung jedem frei.  Da kann man sich schon fragen, wozu eine Religionsgemeinschaft Führungspersönlichkeiten braucht, die nicht führen sondern ihren Schäfchen nur sagen: „Macht, was Ihr wollt.“

Organspendelauf am 29.04.2015 „Lauf gegen die Zeit“

Anlässlich des 132. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie fand am 29.04.2015 im Hofgarten ein „Organspendelauf“ statt. Diese Veranstaltung sollte auf die missliche Organspendesituation in Deutschland aufmerksam machen. 11000 Patienten stehen auf der Warteliste für ein lebensrettendes Organ, die Bereitschaft der Bevölkerung Organe nach dem Tod zu spenden, sinkt aber immer weiter ab. Nach Aussage des Veranstalters hatten sich über 350 Läuferinnen und Läufer für diesen Lauf angemeldet. Aufgrund behördlicher Auflagen konnten aber nur 250 Teilnehmer berücksichtigt werden. Die Laufstrecke betrug ca. 4,8 km, die Strecke konnte einmal oder zweimal durchlaufen werden. Im Mittelpunkt sollte nicht das Tempo oder der Wettkampf stehen sondern das gemeinsame Laufen für eine gute Sache. Natürlich entwickelten einige Teilnehmer auch sportlichen Ehrgeiz und versuchten manchmal noch auf den letzten Metern, die Konkurrenten abzuhängen.

Da im Rahmen dieser Veranstaltung auch Werbung für Organspende gemacht werden sollte, waren Vertreter von der Selbsthilfegruppe „Niere-Bayern e.V., Regionalgruppe München“ vertreten, die Spenderausweise und Infomaterial verteilten. Dankenswerterweise hatte die DSO, vertreten durch Angelika Eder und Thomas Breidenbach, einen kleinen Infostand vor Ort geliefert. Die Nachfrage bzw. das Interesse war jedoch überschaubar.

Fazit und Kommentar:

Laut Vorankündigung des Veranstalters muss der Rückgang der Organspenden gestoppt werden. Absolut richtig! Mit solchen Events ist das aber scheinbar nicht zu schaffen. Außer Spesen nichts gewesen! Weder die Bevölkerung noch die Medien haben davon Notiz genommen. Es war zwar ein Fernsehteam von Medizin-TV kurz vor Ort, wann und wo da aber vielleicht ein 20-Sekunden-Trailer gesendet wird, war bis jetzt nicht rauszubekommen. Übrigens genau die gleiche Situation wie vor zwei Jahren bei diesem Lauf: keine Resonanz!

Gut gemeint, aber ein Lauf ins Leere!

Karl Votz-Siegemund

Persönlicher Bericht zur Diskussionsveranstaltung am 17.04.2015 im Glasspitz in den Münchner Kammerspielen

Wann ist der Mensch tot?“ Die Debatte um Hirntod und Organspende

Zu dieser Veranstaltung hatten der Bürger- und Patientenverband „Gesundheit Aktiv, anthroposophische Heilkunst e.V.“ sowie der „Gesundheitsladen München e.V.“ eingeladen. Dank Internet kann man sich als Besucher ja schon mal entsprechende Infos über die einladenden Organisationen bzw. Vereine und auch über die Vortragenden Dott. Paolo Bavastro und Prof. Dr. med. Josef Briegel vom Klinikum Großhadern einholen. Für Paolo Bavastro, Internist und Kardiologe, Vertreter der anthroposophischen Medizin ist der Hirntod nicht der Tod des Menschen. Als „Freund“ der Transplantationsmedizin kann man ihn also nicht bezeichnen. Josef Briegel ist Intensivmediziner und Anästhesist sowie der Transplantationsbeauftragte im Klinikum Großhadern.

Dank einer bekannten Suchmaschine, habe ich rausbekommen, dass „Gesundheit Aktiv“ gerade eine Petition zu dieser Thematik am Laufen hat. Nachdem ich die Erstunterzeichner gesehen habe, u.a. Silvia Matthies, Regina Breul, Peter Wodarg, alle seit Jahren erklärte Gegner der Transplantationsmedizin, war es klar, dass es sich nicht um eine Initiative pro Organspende handelt. Eine nähere Beschäftigung damit, habe ich mir erspart. (Während der Veranstaltung wurde aber Werbung für diese Petition gemacht.)

Zugegeben mit etwas mulmigem Gefühl ging ich zu dem Vortrag. Außer Dr. Thomas Breidenbach, geschäftsführender Arzt der DSO in München, verstärkt durch die Koordinatorin Dr. Nicola Kampe habe ich keine mir bekannten Gesichter gesehen.

Durch die Veranstaltung führte übrigens souverän die renommierte BR-Journalistin Claudia Gürkov.

Zuerst ging Josef Briegel auf die Entstehung des Hirntodbegriffs und die Wertung als sicheres Todeszeichen ein. Die Gegner des Hirntodkonzeptes behaupten ja immer, dass der Hirntod nur wegen der Transplantationsmedizin „erfunden“ wurde. Das stimmt sicher nicht: In den Fünfzigerjahren wurden effektive Reanimationen bei Herzstillstand durch die Entwicklung der modernen Intensivtherapie mit maschineller Beatmung erstmals möglich. Negativer Nebeneffekt war allerdings, dass immer mehr Patienten zwar wiederbelebt werden konnten, aber zum Teil sehr schwere Hirnschäden davontrugen die nicht reversibel waren. Diese Patienten lagen dann auf den Intensivstationen und man wartete bis es zum Herz-Kreislaufstillstand kam, um die Maschinen abstellen zu können. Um aber Intensivplätze für Patienten zu sichern, die gute Chancen hatten, auch wieder ins Leben zurückzukommen, wurde der Hirntod, d.h. die irreversible Schädigung des gesamten Hirns als sicheres Todeszeichen bewertet. Somit konnte nach der sicheren Diagnostik des Hirntods die sinnlose maschinelle Beatmung eingestellt werden. Mit der Transplantationsmedizin hatte dies primär also nichts zu tun. Prof. Briegel erklärte dann noch ausführlich die Hirntoddiagnostik anhand des Protokolls der Bundesärztekammer. Zwei Ärzte, meist sind es Intensivmediziner bzw. Neurologen, die mit den Transplantationen nichts zu tun haben, müssen unabhängig zum gleichen Ergebnis kommen. Die Untersuchungen werden auch nach 12 Stunden wiederholt. Erst dann wird ggfls. der Hirntod festgestellt und es könnte unter bestimmten Voraussetzungen zu einer Organspende kommen. Josef Briegel hat sehr ruhig und sachlich referiert und kam mit seinem zurückhaltenden Auftreten gut bei der Zuhörerschaft an.

Nun bekam Dott. Bavastro das Wort und der zeigte gleich auf der ersten Folie, was Hirntote noch alles können. Von Kinder austragen (z.B. Erlanger Baby) bis hin zur Erektion bei einem hirntoten Mann sei vieles möglich. Beispielsweise bewegen sich Hirntote noch, erleiden Schmerzen bei der Organentnahme und müssten entsprechend narkotisiert werden, so Paolo Bavastro. Hier widersprach Prof. Briegel, der seit über 30 Jahren Anästhesist ist und erklärte, dass ein hirntoter Mensch, bei der Operation keine Analgesie brauche, da er nicht mehr in der Lage sei, Schmerzen zu empfinden. Als Bavastro dann auch noch die neueste Stellungnahme zum Hirntod des Deutschen Ethikrates falsch interpretierte, hielt es Thomas Breidenbach von der DSO nicht mehr auf seinem Stuhl. Es kam zu einem Diskurs zwischen Bavastro und Breidenbach, der vom Publikum vermutlich eher als Expertenstreit betrachtet wurde. Es ging z.B. um ein sogen. „white paper“ der amerikanischen Ethikkommission. Hier ist man als Zuhörer aufgeschmissen, da man es nicht vorliegen hat. Breidenbach hatte mit seinen Gegenargumenten sicher recht, die Einwände wurden aber bei dem anthroposophisch orientierten Publikum schon beinahe als Majestätsbeleidigung an Bavastro gewertet.

Bei der anschließenden Diskussion mit den Zuhörern konnte man anhand der Fragen und der oft langen Statements klar erkennen, dass die Skeptiker bzw. Gegner dieser Medizinrichtung weit überwogen. In meinem Redebeitrag verwies ich auf den eigentlichen Skandal, dass es nämlich zu wenig Organspender gibt und Deutschland hier bald das Schlusslicht in Europa sein wird. Außerdem erinnerte ich an das Schicksal der schwerkranken Patienten, die auf der Warteliste versterben. Im Gegensatz zu einigen Redebeiträgen, die sich sehr kritisch zur Organspende äußerten und tosenden Applaus mit Bravorufen bekamen, rührte sich bei mir keine Hand.

Frau Gürkov erteilte mir das Schlusswort und ich fragte die Anwesenden, wie sie sich selber verhalten würden, wenn sie so schwer erkrankten, dass sie nur mit einem gespendeten Organ überleben könnten? Wenn sie ein Organ nehmen würden, dann hätten sie meines Erachtens auch die ethische Verpflichtung Organe nach dem Tod zu spenden. Paolo Bavastro schüttelte hier energisch den Kopf und bekam Applaus dafür.

Ehrlich gesagt, war diese Veranstaltung für mich eine Enttäuschung. Wie häufig bei solchen Diskussionen geht das Auditorium größtenteils davon aus, dass der verstorbene Spender bei einer Organspende noch lebt. Da kann man eigentlich sagen, was man will, für sachliche Argumente ist niemand zugänglich, Mitleid bzw. Mitgefühl hat man ausschließlich für die vermeintlich bei lebendigem Leib ausgeschlachteten bedauernswerten Kreaturen. Die schwer Kranken, denen mit einer etablierten medizinischen Therapie -also der Transplantation- geholfen werden könnte, sind außen vor, um es noch drastischer zu formulieren: gehen den meisten am Arsch vorbei! Von einem kleinen positiven Ereignis möchte ich aber noch berichten. Ich hatte mich während der Diskussion geoutet, dass ich seit über 30 Jahren mit einer transplantierten Niere überlebe. Meine Sitznachbarin, eine ältere Dame, fragte mich wie es mir gehe und wünschte mir alles Gute. Sie habe schon seit über 20 Jahren einen Organspenderausweis und freue sich, dass sie einen Organempfänger sehe, dem es offensichtlich gut gehe. Immerhin ein kleiner Lichtblick bei diesem frustrierenden Abend.

Karl Votz-Siegemund

Organspendezahlen auch 2014 gesunken

Nach den vorläufigen Zahlen der DSO ist der Negativtrend bei den Organspenden noch nicht gebrochen. 2014 wurden deutschlandweit 3169 Organe transplantiert, 2013 waren es noch 3248.

Wundern braucht man sich darüber nicht.

Die Negativschlagzeilen über Organspende und Transplantation reißen nicht ab. Kaum ist medial etwas Ruhe eingekehrt, berichteten kürzlich verschiedene Zeitungen über den Prozess gegen einen ehemaligen Oberarzt im Krankenhaus rechts der Isar. Er soll in den in den Jahren 2009 und 2010 Blutwerte von drei Patienten auf der Warteliste manipuliert und ihnen somit eine bessere Ausgangsposition für eine Lebertransplantation verschafft haben. Wenig hilfreich war sicher auch das Bekenntnis eines Auslandskorrespondenten, der sich vor etlichen Jahren eine Niere von einem Afrikaner gekauft hat und darüber ein Buch veröffentlichte.

Bundesweiter „Trendsetter“ im Verbreiten von Nachrichten, die der Transplantationsmedizin bzw. der Organspende schaden, ist sicher die Süddeutsche Zeitung mit ihren Redakteuren Christina Berndt und Werner Bartens. Irgendwie hat man das Gefühl, dass Christina Berndt nur darauf lauert, der Transplantationsmedizin eins „auszuwischen“. Ein Ziel dieser Redakteure ist erreicht: die Spenderzahlen gehen stetig zurück, die Patienten versterben auf den Wartelisten. Die Schicksale dieser bedauernswerten Menschen werden in keinem einzigen Artikel der SZ erwähnt. Transplantationsmedizin ist für die SZ wohl „Teufelswerk“! Um hier keinen falschen Zungenschlag hinein zu bekommen: Gesetzesverstöße müssen verfolgt und entsprechend geahndet werden, ohne wenn und aber.

Der eigentliche Skandal ist aber doch, dass es in Deutschland zu wenige Spender gibt. In Ländern, wo die Widerspruchslösung geltendes Recht ist, z.B. in Spanien oder Österreich, warten Organempfänger wesentlich kürzer auf das ersehnte Organ, als in diesem Land. Spanien ist in Europa führend mit 36 Spendern pro 1 Million Einwohner, in Österreich spenden 24 und in Deutschland ungefähr 12.

Politiker, Ethiker, Theologen usw. begründen diesen Zustand immer mit dem gleichen Argument: bei uns ist die Widerspruchslösung nicht durchsetzbar! Warum eigentlich nicht? Ein Grund ist, dass mit diesem Thema keine Wahlen zu gewinnen sind. Die hier Beteiligten: Kranke, Angehörige, Freunde usw. stellen einfach ein zu geringes Stimmenpotential dar. Sehr wohl könnte man unter Umständen aber eine Wahl verlieren. Man stelle sich vor, es wird bei einem Hirntodprotokoll eine Kleinigkeit vergessen zu notieren, wie es schon passiert ist. Sofort „stürzt“ sich Frau Berndt von der SZ auf diesen Umstand und schreibt einen Artikel mit dem Tenor, der Hirntod wird meist nicht korrekt diagnostiziert, die Organspender leben bei der Spende noch. Wenn sich jetzt ein Politiker von der Partei X oder Y vorher für die Widerspruchslösung und pro Organspende stark gemacht hätte, käme er nun in Teufels Küche und wäre evtl. seinen Wahlkreis los. Somit lehnt sich hier keiner groß aus dem Fenster.

Gibt es überhaupt noch einen Lichtblick für die Transplantationsmedizin und die Organspende?

Der Autor dieses Artikels sieht nicht den berühmten Silberstreif am Horizont, sondern ist pessimistisch eingestellt. Woher sollen denn Änderungen kommen? Die Politik interessiert sich nicht dafür, die unmittelbar Beteiligten, auch wenn sie in Selbsthilfegruppen o.ä. organisiert sind, haben so gut wie keinen Einfluss. Die DSO versucht mit der Implementierung von Transplantationsbeauftragten in den Kliniken die Lage zu verbessern. Bisher aber auch nur mit mäßigem Erfolg.

Am 17.04.2015 ist eine Podiumsdiskussion in München mit dem Thema „Wann ist der Mensch tot?“

-Die Debatte um Hirntod und Organspende-

Mit Dott. Paolo Bavastro, der die These vertritt, dass der Hirntod nicht der Tod des Menschen ist und die Organspender sozusagen lebendig „ausgeschlachtet“ werden. Erfahrungsgemäß können solche Transplantationsgegner das Publikum relativ leicht auf ihre Seite ziehen. Berichte vom Leid und der Verzweiflung von Betroffenen, die auf der Warteliste für Organe stehen, und deren Angehörigen werden bei solchen Veranstaltungen ignoriert.

Wie heißt es in Bertholt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“: Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.

Karl Votz-Siegemund

30-jähriges Nieren-Jubiläum für unser Vereinsmitglied Alois Spangler

Als Herrn Spangler 1984 eine Niere transplantiert wurde, lag die durchschnittliche Organüberlebenszeit bei etwa 5-6 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt haben wohl nur sehr optimistische Visionäre daran geglaubt, dass Patienten 30 Jahre und länger mit einem transplantiertem Organ überleben können. Alois Spangler ist einer davon und feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Nieren-Jubiläum. Grund genug für die Regionalgruppenleitung München und Umland (Brigitte Seemüller und Karl Votz-Siegemund) sich mit einem kleinen Präsent aufzumachen und Herrn Spangler und seine Frau zu besuchen. Beim herzlichen Empfang waren wir sehr überrascht -wir wußten ja, wie alt Herr Spangler ist- einen agilen und wirklich gesund aussehenden Senioren anzutreffen. Frau Spangler hatte schon den Kaffeetisch gedeckt und im Gespräch konnten wir anhand der erzählten Geschichten und Episoden einen Eindruck vom Leben der Familie Spangler gewinnen.

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Herr und Frau Spangler und Frau Brigitte Seemüller

Vorbelastet durch eine familiäre Disposition (einige Familienmitglieder von Alois Spangler waren auch nierenkrank) mußte er ab 1982 mit der Dialyse behandelt werden. Damals war er 50 Jahre alt. Bereits 1 ½ Jahre später erhielt er eine Niere eingepflanzt, die bis heute funktioniert. Der gelernte Möbelschreiner, wechselte als Fahrer für die höheren Dienstränge 1966 zur Bundesvermögensverwaltung. Innerhalb der Behörde bekam er 1971 dann eine gute Stelle im Büro angeboten. wo er als Dialysepatient und Nierentransplantierter bis zur Rente arbeiten konnte.

Herr Spangler war auch ehrenamtlich für unseren Verein tätig und ihm wurde 2001 die Ehrennadel der Regionalgruppe München verliehen. Da sieben Geschwister von Marianne Spangler nach dem Krieg in die USA ausgewandert sind, wurden diese von dem Ehepaar auch besucht. Sie zeigten uns Fotos und ließen uns so auch an den Amerikaaufenthalten teilhaben. Heute gehen Reisen nicht mehr zu einem anderen Kontinent sondern eher in die Oberpfalz, wo Alois Spangler auch ursprünglich herkommt. Dort haben sie sich ein Wochenendhaus auf einem schönen Gartengrundstück gebaut und genießen dort die Ruhe, wenn sich nicht gerade Besuch zum Grillen usw. ansagt.

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Herr Spangler

Es soll nicht verschwiegen werden, dass es mit einem transplantierten Organ auch Probleme gibt. Vor allem die letzten zwei Jahre, so Herr Spangler, waren nicht einfach und Infekte bzw. Operationen mit anschließenden längeren Krankenhausaufenthalten machten das Leben beschwerlich. Mittlerweile sind diese „Steine“ wieder weitestgehend aus dem Weg geräumt und das Leben geht weiter.

Wir haben beim Besuch den Eindruck gewonnen, dass die positive, optimistische Lebenseinstellung von Herrn Spangler ihm über viele Hürden hinweggeholfen hat. Nicht zuletzt aber spürten wir beim Ehepaar Spangler, das seit 1957 verheiratet ist, immer noch eine Harmonie und den liebevollen Umgang miteinander. Wie beide erwähnten, ist eine gute Partnerschaft eigentlich der Schlüssel zur Bewältigung schwerer Probleme.

007Wir wünschen Alois Spangler viele weitere Jahre mit relativ gut gehender Gesundheit, dass auch Marianne Spangler ihre Gesundheit und Kraft erhält, um ihren Mann in hoffentlich nicht so bald wiederkommenden schwierigen Zeiten unterstützen zu können und beiden noch viele sorgenfreie Aufenthalte im Wochenendhaus in der Oberpfalz.

Dr. Karl Votz-Siegemund

Blut- und Organspendetag von donAIDe

Die Regionalgruppe München mit Infostand beim Blut- und Organspendetag von donAIDe

Zehn Studierende des Bachelor-Studiengangs Internationale Wirtschaftskommunikation an der Hochschule für Angewandte Sprachen (SDI München) organisierten am 04.11.2014 einen Blut- und Organspendetag.

Blut- und OrganspendetagDer Name des gemeinnützigen Wohltätigkeitsprojekts „donAIDe“ setzt sich übrigens aus den englischen Begriffen „donate“ und „aide“ (Spenden und Helfen) zusammen. Unter genau diesem Motto „Spenden und Helfen“ stand in diesem Jahr der Projekttag. Marina Hirschberger und Emily Arnold, die Projektleiterinnen und ihr Team nahmen die katastrophalen Organspendezahlen der letzten zwei Jahre zum Anlass um über Organspende aufzuklären, die Besucher anzuregen einen Organspendeausweis auszufüllen oder zumindest Infomaterial mit nachhause zu nehmen. Zu diesem Zweck hat Frau Hirschberger Kontakt mit der Regionalgruppe München aufgenommen und uns gebeten, sie mit einem Infostand bzw. Vortrag zu unterstützen.

ig_BuO2Bei solchen Aktionen sind wir natürlich immer mit viel Herzblut dabei. Eckard Bourquain, im Verein zuständig für die Organspende sowie Karl Votz-Siegemund, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, übernahmen die Standbetreuung. Karl Votz-Siegemund referierte über „Organspende und Transplantation“ und zeigte am Ende seines Vortrags einen Ausschnitt aus dem Film „Endlich wieder Spaß am Leben“. Dieser Film berichtet über das Schicksal von Jugendlichen, die so schwer erkrankt sind, dass sie nur mit einem gespendeten Organ überleben können.

Die beiden anderen Hauptthemen dieses Projekttages waren die Blut- und Knochenmarksspende. Das Rote Kreuz rückte mit einem großen Blutspendeteam an. Innerhalb kürzester Zeit standen 12 Liegen im Raum und die Mitarbeiter warteten sehnsüchtig auf die Spender. Am Ende des Tages hatten dann doch über 60 Personen Blut gespendet. Robert Schneider, der Gebietsreferent beim Bayerischen Roten Kreuz, hatte sich etwas mehr erwartet, war aber dann doch zufrieden und lobte das Engagement der Studentinnen.

Von der Stiftung „Aktion Knochenmarkspende“ hielt Verena Spitzer einen Vortrag mit dem Titel: „Deine Stammzelle rettet Leben“. Als ehemalige Leukämie-Patientin konnte sie eindrucksvoll schildern, wie man mit einer Knochenmarksspende tatsächlich Leben retten kann. Am Stand der Stiftung bestand die Möglichkeit, sich typisieren zu lassen, was auch rege genutzt wurde.

Ebenfalls vertreten waren die LeukämieHilfe München e.V. sowie gleich neben unserem Stand Angela Ipach und Evelyn Hug von Junge Helden e.V.

Junge Helden e.V. wurde ursprünglich von Claudia Kotter gegründet, die an Sklerodermie erkrankt war und nach der lang ersehnten Lungentransplantation verstarb. Der Verein, der sehr medienstark für Organspende wirbt, hat viele prominente Mitstreiter und Förderer, wie beispielsweise den Schauspieler Jürgen Vogel, die Moderatorin Minh-Khai-Phan-Thi, Klaas Heufer-Umlauf, Max Herre, Benno Fürmann u.a.

An unserem Infostand war einiges los, wir haben viele interessante Gespräche geführt und schließlich etwa 70 Organspendeausweise ausgegeben. Die meisten davon wurden gleich am Stand ausgefüllt und wir haben sie laminiert.

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Das donAIDe-Team mit Schirmherrin, Frau Prof. Pinar Salamanca

Großes Lob für das gesamte donAIDe-Team für ihr herausragendes gesellschaftliches und soziales Engagement. Es berührt einen schon, wenn sich in der heutigen Zeit junge Studentinnen für soziale Themen einsetzen, die die Mehrheit der Bevölkerung als „Stimmungskiller“ ansehen. Mit offensichtlich zunehmender Individualisierung kann man solche Projekte nicht hoch genug einschätzen, also: Daumen hoch nach oben, donAIDe muss man loben!

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Dramatischer Rückgang der Organspenden 2013

Katastrophale Situation für potentielle Organempfänger

Am 15.01.2014 meldete die DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation) in einer Pressemitteilung: „Nach dem starken Rückgang der Organspenden in 2012 hat sich diese dramatische Entwicklung in 2013 noch weiter verschärft. Die Zahl der Organspender ist bundesweit um 16,3 Prozent von 1.046 Spender in 2012 auf lediglich 876* gesunken. Dies entspricht einem Durchschnitt von 10,9 Spendern pro eine Million Einwohner, in 2012 waren es noch 12,8 Spender pro eine Million Einwohner“.

Für Patienten, die auf der Warteliste für Organe stehen, ist diese Situation mehr als dramatisch. Man kann davon ausgehen, dass etwa 1000 Patienten pro Jahr auf dieser Warteliste versterben, weil kein passendes Organ zur Verfügung steht. Als Grund für den Rückgang wird nun meist der sogenannte „Transplantationsskandal“ genannt. In vielen Medien wird auch von einem „Organspendeskandal“ gesprochen, was eigentlich Blödsinn ist und die Organspender diskreditiert. Sicherlich haben die Manipulationen der Warteliste durch einige wenige Transplantationsmediziner das Vertrauen der Bevölkerung in die gerechte Vergabe von Organen massiv untergraben. Fakt ist aber auch, dass es sich doch mehr oder weniger um Einzelfälle handelte, 99 % aller Transplantationen sind regelhaft verlaufen. Alle verdächtigen Fälle wurden mittlerweile von Expertenkommissionen überprüft und ein beteiligter Arzt muss sich derzeit vor Gericht verantworten. Zu einer Verurteilung kam es bisher noch nicht.

Der eigentliche Skandal besteht somit nicht darin, dass einige Patienten auf der Warteliste nach oben getrickst wurden, sondern in der skandalös geringen Zahl der Organspenden!

Als Hauptursache für unsere bescheidene Organspendebilanz sehe ich die gesetzliche Regelung. Während in Ländern mit der sogen. Widerspruchslösung die Spenderzahlen erheblich größer und dementsprechend die Wartelisten entsprechend kürzer sind, wird Deutschland mit ca.10 Spendern pro einer Million Einwohner bald das Schlusslicht in Europa sein. So darf und kann es nicht weitergehen. Von den zuständigen Politikern und Entscheidungsträgern hört man in diesem Zusammenhang nur immer die selben Floskeln: „eine Widerspruchslösung ist bei uns nicht durchsetzbar“ oder „wir Deutsche sind da noch nicht soweit“ , „so etwas kann man den Leuten nicht zumuten“ usw.. Ich frage mich hier wirklich: Was unterscheidet uns denn von unseren Nachbarländern Österreich, Belgien, Spanien um nur ein paar Länder zu nennen, die die Widerspruchslösung praktizieren?

Nachdem zum 01.11.2012 das Transplantationsgesetz von der bis dahin geltenden erweiterten Zustimmungslösung hin zur Entscheidungslösung modifiziert wurde, haben nun die Krankenkassen und andere Stellen die Aufgabe, die Bevölkerung über Organspende und Transplantation aufzuklären. Dabei soll jeder Bürger auch befragt werden, ob er Organspender sein möchte. Wie ich beispielsweise in entsprechenden Foren im Internet lesen konnte, empfinden viele diese Aufforderung, sich zu entscheiden schon als große Zumutung und Belästigung und werfen die Informationsbroschüre mit Organspendeausweis sofort in den Papierkorb. Keiner denkt in diesem Moment vermutlich daran, wie schnell er selber so krank werden kann, dass er nur mit einem gespendetem Organ überleben kann?

Eine Verpflichtung sich zu entscheiden besteht übrigens nicht! Das wäre ja wieder unzumutbar.

Die Israelis haben hier einen pragmatischen Weg gefunden, indem sie Bürger, die einer evtl. Organspende zustimmen auch bei einer eventuell notwendigen Organtransplantation bevorzugen.

Was können wir Betroffenen selber tun, um die Situation zu verbessern?

Ein Anfang wäre schon, wenn alle Betroffenen die Selbsthilfegruppen und Interessengemeinschaften unterstützen würden, die sich für die Organspende einsetzen und auch selbst nach Möglichkeit mithelfen würden. Dies kann beispielsweise durch aktive Mitarbeit bei Infoständen am Tag der Organspende, Verteilen von Organspendeausweisen usw. geschehen. Wer das nicht möchte, sollte wenigstens passives Mitglied werden. Wenn man als Verband mit vielen Mitgliedern gegenüber Entscheidungsträgern auftritt, hat das natürlich gleich mehr Gewicht.

Im Gespräch mit Verwandten, Freunden, Nachbarn usw. sollten wir alle die dramatische Situation der Organspende thematisieren. Vielleicht überlegt sich dann der eine oder andere doch noch, nach dem Tod seine Organe zur Verfügung zu stellen? Das ist alles sehr anstrengend und nicht gerade populär. Aber, wir können dabei nicht viel verlieren, eigentlich nur gewinnen. In der Geschichte der „Bremer Stadtmusikanten“ heißt es: „etwas Besseres als den Tod, finden wir allemal“. Genau so ist es!

IG München auf der Expopharm 2012

Europas größte internationale Phamazeutische Fachmesse fand dieses Jahr vom 10.10.2012 bis zum 13.10.2012 wieder in München statt. Düsseldorf und München wechseln sich bei der Expopharm als Messestandorte jährlich ab, so dass München erst wieder 2014 dran ist.

Infostand betreut von Petra Baumgarten von der IG München

Die ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) bzw. die Werbe- und Vertriebsgesellschaft Deutscher Apotheker mbH gibt verschiedenen Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen kostenlos die Möglichkeit, sich mit einem Infostand zu präsentieren.

Wir von der IG München nutzten diese Gelegenheit, um für Organspende zu werben.

Hauptbesuchergruppen bei dieser Pharmazeutischen Fachmesse sind Apotheker, PTA´s, Pharmaziestudenten usw.

Da Apothekenmitarbeiter meist gut über das Thema Organspende und Transplantation informiert sind, waren sie eigentlich in erster Linie an Infomaterial und Organspendeausweisen zum Auslegen in der Apotheke interessiert. Für diesen Zweck hatten wir ein Bestellformular vorbereitet, mit dem man größere Mengen direkt bei der BZgA bestellen kann. Gut angenommen wird immer das Angebot, den persönlichen Organspendeausweis zu laminieren. Leider haben wir keine Strichlisten gemacht. Grob geschätzt sind innerhalb der vier Tage sicher einige hundert Ausweise eingeschweißt worden. Die Standbetreuung haben dieses Jahr übernommen: Brigitte Seemüller, Brigitte Günter, Petra Baumgarten, Eckard Bourquain, Erich Stienen und Karl Votz-Siegemund.

Infostand betreut von Petra Baumgarten von der IG München

Wenn man den Erfolg der Messe an der Menge verteilten Infomaterials und Organspendeausweisen messen möchte, so können wir mehr als zufrieden sein. Wo hat man sonst schon die Gelegenheit so viele Personen mit der nicht gerade einfachen Thematik zu konfrontieren?

Wir bedanken uns bei der ABDA für den kostenfreien Platz auf der Messe und freuen uns bereits auf die Expopharm 2014.

Organspende geht jeden an

IG München bei der VeranstaltungOrganspende geht jeden an“ im Bayerischen Staatsminsterium für Umwelt und Gesundheit

IG München bei der Veranstaltung „Organspende geht jeden an“ im Bayerischen Staatsminsterium für Umwelt und Gesundheit

rechts Dr. Hans Neft beim Ausfüllen seines neuen Organspendeausweises, Frau Liebig (beide StMUG), Eckard Bourquain von der IG München und Umland

Am 10.05.2012 fand für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des StMUG die Veranstaltung „Organspende geht jeden an“ statt. Der zuständige Referatsleiter, Ministerialrat Dr. Hans Neft, begrüßte die etwa 40 Teilnehmer und zeigte zur „Einstimmung“ eine Kurzdokumentation über Bambi Thomas, eine amerikanische Patientin, die nach der Geburt ihres Kindes so schwer herzkrank wurde, dass sie nur mit einem Spenderorgan überleben hätte können. Bambi Thomas verstarb auf der Warteliste, da kein passendes Herz rechtzeitig zur Verfügung stand. War noch zu Beginn des Vortrags eine gewisse Unruhe im Saal zu spüren, herrschte nun betroffenes Schweigen. Hans Neft verwies darauf, dass in Deutschland täglich drei Patienten auf der Warteliste sterben. Der Hauptgrund dafür ist die mangelnde Spendenbereitschaft. In erster Linie ging der Jurist Hans Neft aber auf die Rechtslage in der Transplantationsmedizin und Organspende ein und erklärte die neue „Entscheidungslösung“. Dieses neue Gesetz hat das Ziel, die Zahl der Organspenden zu steigern.

IG München bei Veranstaltung des Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit

links Eckard Bourquain, Dr. Hans Neft, Dr. Thomas Breidenbach, Peter Kreilkamp

Dr. Thomas Breidenbach, geschäftsführender Arzt der Deutschen Stiftung Organtransplantation Region Bayern zeigte einen kurzen Abriss über die Geschichte der Transplantationsmedizin. Ein Schwerpunkt seines Vortrags waren die Ausführungen zum Hirntodkonzept. In 70% der Fälle wüssten die Angehörigen nicht, ob bzw. wie sich der Verstorbene zu einer möglichen Organspende geäußert hat, so Breidenbach. Er betonte deshalb die Wichtigkeit und Bedeutung eines professionell geführten Angehörigengesprächs, wobei selbstverständlich keinerlei Druck auf die Angehörigen ausgeübt werde dürfe. In absehbarer Zukunft werde es wohl keine revolutionäre Entwicklung in der Transplantationsmedizin geben. Stichworte hier waren künstliche Organe, Gentherapie, Stammzelltherapie oder Xenotransplantion. Es werde zwar viel geforscht, einen „Durchbruch“ könne man in den nächsten Jahren aber nicht erwarten.

IG München bei Veranstaltung des Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit

links Eckard Bourquain, Peter Kreilkamp von TransDia e.V.

Abschließend kam Peter Kreilkamp, Patientenvertreter und Mitglied bei TransDia e.V. zu Wort. Kreilkamp war mehr als acht Jahre Dialysepatient als er 2003 transplantiert wurde. Die transplantierte Niere arbeitete aber nur etwa 6 Jahre und so ist er seit über zwei Jahren wieder auf die „Blutwäsche“ angewiesen. Das Ziel von Kreilkamps Verein TransDia e.V. ist, Transplantierte und Dialysepatienten wieder an den Sport heranzuführen, damit die körperliche Leistungsfähigkeit erhalten oder wiedergewonnen wird und somit auch eine Verbesserung des Wohlbefindens und der Lebensqualität erreicht wird. Peter Kreilkamp steht wieder auf der Warteliste für eine Niere und wartet sehnsüchtig auf den Anruf des Transplantationszentrums.

Von der Interessengemeinschaft der Dialysepatienten und Nierentransplantierten in Bayern e.V., Regionalgruppe München und Umland waren Eckard Bourquain und Karl Votz-Siegemund mit einem Infostand vertreten. Sie verteilten Informationsmaterial, beantworteten nach der Veranstaltung Fragen der Teilnehmer und laminierten Organspendeausweise.

Dr. Karl Votz-Siegemund