Vortrag – Die aktuelle Organspendesituation und der Ablauf einer Organtransplantation

Stammtisch am 25.02.2018 im Hotel zur Post, München-Pasing

Vortrag von Frau Dr. Angelika Eder

Die Zahlen, die Angelika Eder auf mehreren Folien präsentierte, sprechen eigentlich für sich. In den letzten Jahren ging es mit der Organspende in Deutschland nur abwärts. Eine medizinische Katastrophe, für die auf den Wartelisten stehenden schwerkranken Patienten. Wenn es streng nach den Kriterien gehen würde, müsste Deutschland aus dem Verbund Eurotransplant hinausgeworfen werden. Die Kennzahl ist hier: Organspender pro 1 Million Einwohner eines Landes. Eurotransplant fordert mindestens 10 Spender um Mitglied werden zu können, 2017 lag Deutschland bei 9,3.

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Blutverdünnung (Antikoagulation) bei chronischer Niereninsuffizienz und Dialyse

Nierenkranke Patienten leiden häufig an Herzrhythmusstörungen wie beispielsweise dem Vorhofflimmern. Um das Risiko eines Schlaganfalls zu senken, ist die Einnahme eines Blutverdünnungsmittels zwingend erforderlich.
Wer könnte uns über diese Thematik wohl besser Auskunft geben als Prof. Dr. med. Matthias Blumenstein, Chefarzt der Nephrologie und ärztlicher Direktor der Klinik Augustinum München?
Prof. Blumenstein hatte auf Anfrage auch sofort zugesagt, uns im Rahmen unseres Stammtisches am 19.03.2017 einen Vortrag  über diese wichtige Problematik zu halten.

20170319_153612-1 (1)Grundsätzlich ist eine Antikoagulation notwendig, und zwar unabhängig davon, ob der Patient nierenkrank ist oder nicht:

– nach einer Herzklappenoperation, falls eine mechanische Klappe eingesetzt wurde
– nach Venenthrombosen mit oder ohne Lungenembolie
– bei hereditären Thrombophilien (vererbte Neigung zu Thrombosen)
– als Embolieprävention bei Vorhofflimmern

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Kriterien zur Aufnahme auf die Warteliste für Nierentransplantationen

Vielen nierenkranken Patienten, die bereits auf eine Dialysebehandlung angewiesen sind, ist eigentlich nicht klar, wie sie auf die Warteliste für eine Nierentransplantation kommen. Wie ist der Weg, bin ich überhaupt geeignet, wie lange dauert das Procedere und mit welcher Wartezeit habe ich zu rechnen sind wohl die häufigsten Fragen.

Wer könnte hier wohl besser Auskunft geben als Frau PD Dr. Antje Habicht, nephrologische Oberärztin im Transplantationszentrum der LMU? Wir sind sehr froh und dankbar, dass sie sofort zugesagt hat, einen Vortrag über diese Thematik im Rahmen unseres monatlichen Stammtisches zu halten.

IMG_3573Antje Habicht ging zuerst auf den eklatanten Rückgang der Transplantationen in den letzten Jahren ein, der in erster Linie auf den sogenannten Transplantationsskandal zurückzuführen ist.

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Aktuelle Entwicklungen in der Nierentransplantation

Zu unserem Stammtisch am 21.02.2016 im Hotel zur Post in München-Pasing hatten wir auch diesmal wieder einen renommierten Experten eingeladen. Über aktuelle Entwicklungen in der Nierentransplantation berichtete. Prof. Dr. Stefan Thorban, Oberarzt und leitender Transplantationschirurg in der Chirurgischen Klinik und Poliklinik im Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München. Er zeigte zum Einstieg eine Folie mit der Gesamtzahl der transplantierten Organe von 1963 – 2014. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum deutschlandweit 120.500 Organe transplantiert, davon 78.100 Nieren.

20160221_161753Die Hauptindikationen für eine Nierentransplantation sind eine zystische Nierenkrankheit, das chronisch nephritische Syndrom, eine chronische Nierenerkrankung, der primär insulinpflichtige Diabetes mellitus (Typ-1-Diabetes) sowie die hypertensive Nierenkrankheit. Derzeit stehen etwa 9000 Patienten auf der aktiven Warteliste für eine Nierentransplantation.

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Der Shunt – Lebensader für Dialysepatienten

Im Rahmen unseres Stammtisches konnten wir am 25.10.2015 einen renommierten Gefäßchirurgen, Herrn Dr. Andreas Maier-Hasselmann, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie im Klinikum Schwabing, als Referenten gewinnen. Wir hatten auch diesmal unsere Mitglieder persönlich angeschrieben um sie auf diesen Vortrag aufmerksam zu machen. 51 Zuhörer folgten unserem Aufruf, ein beachtlicher Erfolg dieser Initiative von Erich Stienen.

SAM_1408-1Maier-Hasselmann erklärte zuerst die Funktion und den Aufbau der Niere und ging dann kurz auf die Geschichte der Nierenersatztherapie ein.

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Vortrag – Medizinische Probleme nach einer Nierentransplantation

Der Chefarzt der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen und Klinische Immunologie am Klinikum Harlaching, PD Dr. med. Clemens Cohen, referierte über medizinische Probleme die nach der Transplantation auftreten können.

PD Dr. med. Clemens Cohen, Medizinische Probleme bei der Nierentransplantation

Auf der ersten Folie wurden zwei konträre Patientenmeinungen wiedergegeben:

Das größte Geschenk meines Lebens“ oder „Ich wünschte es wäre nie passiert“.

Als Herr Cohen dann anhand einer Graphik das Risiko nach einer Transplantation zu sterben höher darstellte, als wenn man mit der Dialyse behandelt wird, fühlten sich die Zuhörer bestätigt, die einer Transplantation skeptisch gegenüberstehen. Leider haben sie die Graphik nicht genau angeschaut: das erhöhte Sterberisiko besteht nur etwa drei bis vier Monate nach dem Eingriff, später sinkt das Risiko hochsignifikant.

Wenn die Nierenfunktion nach der Transplantation schlecht ist, gibt es grundsätzlich drei Ansatzpunkte, so Cohen. Die Gründe können „vor“ der Niere liegen, z.B. eine Nierenarterienstenose, „in“ der Niere, beispielsweise eine tubolointerstitielle Abstoßung oder vaskuläre Abstoßung oder „nach“ der Niere, wie eine Lymphocele.

Die möglichen Komplikationen seien vielfältig, könnten aber in den meisten Fällen gut beherrscht werden. In den ersten Wochen nach der Transplantation treten gehäuft im Krankenhaus erworbene Infekte wie Lungenentzündungen, Kathederinfekte oder Harnwegsinfekte auf. Auch chirurgische Komplikationen, z.B. Wundinfekte, sind möglich.

Die Liste mit Infekten, die im ersten Halbjahr auftreten können wird leider noch länger:

Virale Infekte aus der Herpesvirus Familie (Varizellen, Zytomegalie…), Leberentzündungen, Polyomaviren usw.

Als klassisch opportunistische Erreger spielen auch Pilze eine große Rolle.

Die unverzichtbare immunsuppressorische Therapie besteht zunächst aus drei verschiedenen Medikamenten: Calcineurin-Inhibitor (Cyclosporin), einem Antimetaboliten (Mycophenolat) und einem Stereoid (Prednison). Herr Cohen bezog sich hierbei auf ein Therapieschema des Universitätsspitals Zürich, wo er vor seiner Tätigkeit in Harlaching gearbeitet hat.

Die Nebenwirkungen dieser hochwirksamen Medikamente sind beträchtlich. So kommt es unter Cyclosporin häufig zu einem Bluthochdruck und das Cortison ist mitverantwortlich für den Postransplantations-Diabetes, den etwa jeder 10. Nierentransplantierte „erwirbt“. Nicht zuletzt deswegen versucht man das Cortison so schnell wie möglich zu reduzieren bzw. abzusetzen.

Durch einen häufig erhöhten Blutdruck oder eine Erhöhung der Blutfette (Hyperlipidämie) ist das kardiovaskuläre Risiko entsprechend erhöht. Abhilfe schaffen können hier blutdrucksenkende Medikamente bzw. Lipidsenker.

Bei seinen Ausführungen legte Clemens Cohen sehr viel Wert auf das Thema Krebsprävention.

Ein jährliches Screening durch Hautarzt, Gynäkologen und Urologen sei obligatorisch.

Hautläsionen sollten „aggressiv“ angegangen werden. Am besten sei man hier in Spezialambulanzen aufgehoben. Ein Dermatologe, der normalerweise keine immunsupprimierten Patienten behandle, könne manchmal Hauterscheinungen nicht richtig zuordnen.

Unser großes Dankeschön an Herrn Dr. Cohen für den sehr interessanten Vortrag und für seine Engelsgeduld, die anschließenden Fragen zu beantworten.

Wir wissen es sehr zu schätzen, wenn ein renommierter Spezialist für Nierenerkrankungen zu einer Selbsthilfegruppe kommt und noch dazu am ersten sonnigen Tag des Jahres!

Vortrag: „Immunsuppressiva, Nebenwirkungen im Verlauf“

Vortrag im Rahmen unseres Stammtisches am 14.10.2012:

Immunsuppressiva, Nebenwirkungen im Verlauf“

Referent: Prof. Dr. med. Lutz Renders, Transplantationsexperte vom Krankenhaus rechts der Isar, München

Immunsuppressiva, Nebenwirkungen im Verlauf – Referent: Prof. Dr. med. Lutz Renders, Transplantationsexperte vom Krankenhaus rechts der Isar, München

Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten (Unser Vereins-Laptop konnte leider mit dem Dateityp von Prof. Renders nichts anfangen, wir waren sehr froh, dass Michael Göbl, unser IT-Experte anwesend war und das Problem behob!) begann Herr Renders mit seinem interessanten Vortrag über die Nebenwirkungen der Immunsuppression.

Da das Krankenhaus rechts der Isar momentan im Focus des „Vergabeskandals“ von transplantierten Lebern steht, ging er kurz auf die Situation ein und meinte nur: „Das was in der Presse steht, stimmt nur zu etwa 50%“. Außerdem müsse jeder Einzelfall genau untersucht werden. Er selber sei für die Nierentransplantationen zuständig und habe mit Lebern nichts zu tun.

Die Qualität der Organe sei in den letzten Jahren schlechter geworden, so Herr Renders. Dies hängt zusammen mit dem wesentlich höherem Alter der Spender, die natürlich häufig auch Vorerkrankungen hatten. Früher hätte man solche „marginalen“ Organe nicht transplantiert, während man heute froh sei, auch mit diesen Organen Patienten helfen zu können.

Durch das Old-for-Old-Programm oder ESP (Eurotransplant-Senior-Programm) würden rein statistisch auch die durchschnittlichen Überlebenszeiten der Organe kürzer, da ältere Organe nun mal nicht solange funktionieren.

Auch mit einer neuen Niere, sei man nicht gesund, eine lebenslange Nachsorge mit entsprechender Blutdrucküberwachung und -einstellung ist zwingend erforderlich, um das Organ möglichst lange zu erhalten. Durch die Kombination verschiedener Immunsuppressiva überleben heute 97% der transplantierten Nieren das erste Jahr. Hier könne man vermutlich nichts mehr verbessern.

Betrachtet man die Überlebenszeit von nierenkranken Patienten, so ist die Transplantation als Therapieform der Dialyse eindeutig überlegen. Herr Renders zeigt dies anhand von zwei Graphiken.

In der Einzelfallprüfung müsse aber genau abgewogen werden, mit welcher Therapie der jeweilige Patient am meisten profitiert. Dies könne bei dem ein oder anderen durchaus die Dialyse sein.

Immunsuppressiva, Nebenwirkungen im Verlauf – Referent: Prof. Dr. med. Lutz Renders, Transplantationsexperte vom Krankenhaus rechts der Isar, München

Die Hauptnebenwirkungen der Immunsuppressiva sind eine erhöhte Infektanfälligkeit sowie ein höheres Risiko, an einem bösartigem Tumor zu erkranken. Üblicherweise gebe man nach der Transplantation eine Dreierkombination von Immunsuppressiva, wobei meist die Steroide (Cortison) nach etwa drei bis sechs Monaten reduziert bzw. abgesetzt werden könnten.

Um das Risiko eines neu auftretenden Diabetes zu vermindern, würde man bei entsprechender Familienanamnese, z.B. kein Prograf verordnen, sondern ein anderes Medikament geben. Die Immunsuppression kann also individuell abgestimmt werden. Zwei schweren Krankheitsbildern, die nach einer Transplantation auftreten können (CMV-Infektion verursacht durch das Cytomegalievirus und der Pneumocystis jirovecii, eine Form der Lungenentzündung) kann man mit einer prophylaktischen Therapie begegnen und so evtl. den Ausbruch verhindern oder abschwächen.

Interessant war noch, dass es bei den Lipidsenkern sehr wohl Unterschiede gibt und bei nierentransplantierten Patienten Simvastatin (Zocor) eher ungünstig ist und Pravastatin bevorzugt verordnet werden sollte. Simvastatin hätte, so Renders, ein höheres Interaktionspotential mit anderen Medikamenten, beispielsweise mit bestimmten Antibiotika.

Welche „Botschaften“ können wir mit nach Hause nehmen (take home Messages):

-auch mit einer transplantierten Niere ist man nicht gesund

-Transplantation ist ohne Medikamente nicht möglich

-viele Nebenwirkungen sind bekannt und können z.T. auch behandelt werden

-nicht alle Alternativen der Immunsuppression sind für jeden Patienten geeignet

-Nachsorge ist von größter Bedeutung für das Überleben des Transplantats und der Patienten

Immunsuppressiva, Nebenwirkungen im Verlauf – Referent: Prof. Dr. med. Lutz Renders, Transplantationsexperte vom Krankenhaus rechts der Isar, München

Wir danken Herrn Professor Renders sehr für seinen engagierten Vortrag. Wir wissen es zu schätzen, wenn ein vielbeschäftigter Arzt einen Sonntagnachmittag „opfert“, um Mitgliedern einer Selbsthilfegruppe Nebenwirkungen von Medikamenten zu erklären.